1. Weeslower Chroniken - 2002 - Jasmin 1. Kapitel: Das Foto-Shooting


    Datum: 28.07.2019, Kategorien: Kunst, Autor: nudin

    ... stand auf und ging ziellos auf und ab.
    
    In ihr kämpften Fluchtgedanken und Pflichtbewusstsein gegeneinander. Was, wenn sie ja sagte? Was, wenn sie nein sagte?
    
    "Du bist doch nicht etwa prüde, oder?" meinte Daniela provozierend.
    
    Natürlich nicht, dachte Jasmin, und blitzte die blondierte Geschäftsführern mit einem kurzen bösen Blick an. "Ich bin überhaupt nicht prüde!" gab sie trotzig zurück.
    
    "Na dann..." provozierte Daniela sie weiter.
    
    Ralph hatte derweil in seinem Koffer gekramt und einen Prospekt einer Therme in Bayern gefunden, den er mit erstellt hatte. Er rief Jasmin heran. "Schau mal, so etwa sieht das aus..." erklärte er. Man sah darauf schöne, meist junge Pärchen oder einzelne Männer und Frauen, die in Handtücher gewickelt oder auch mal oben ohne auf den Holzbänken saßen oder an Pools entlang gingen. Alles recht harmlos und stilvoll. Und wenn mal jemand ganz nackt zu sehen war - so wie es hier und heute vorgesehen war - dann sah man das zwar, aber nie in allen Details.
    
    Eigentlich wusste sie das alles, aber diese kleine Vorführung hatte auf Jasmin immerhin die gewünschte beruhigende Wirkung. "Na ja..." murmelte sie nachdenklich.
    
    "Also, was man sehen wird, sind die Formen Deines schönen jugendlichen Körpers." meinte Ralph und betrachtete sie mit seinem Kenner-Blick. "Du hast wunderbare reine Haut, Jasmin - und Du bist schon ein bisschen gebräunt. - Durchgehend oder mit Bikinistreifen?" fragte er.
    
    "Durchgehend. Ist vom Solarium." antwortete sie ...
    ... brav.
    
    "Gut, das wird sich prima machen so als Kontrast zu einem weißen Handtuch." sprach Ralph eher wie zu sich selbst.
    
    Jasmin schaute noch einmal in die Runde. Nadine zwinkerte ihr aufmunternd zu.
    
    Da fiel ihr Blick auf Hans Weber, der die ganze Zeit noch nichts gesagt und nur stumm auf den Boden geschaut hatte. Noch immer suchte sie nach einer Möglichkeit, dem ganzen zu entgehen. Vielleicht hatte er ja was dagegen?! Eine vage Hoffnung beschlich sie, als sie sein grimmiges Gesicht sah.
    
    "Was meinen Sie?" fragte Jasmin vorsichtig.
    
    Er sah sie plötzlich direkt an. Dann zuckte er mit den Schultern und meinte trocken: "Ich würde es an Ihrer Stelle tun, wenn Sie den Arsch Ihrer Chefin retten wollen." Seine Stimme klang plötzlich gar nicht mehr hell und piepsig, sondern bedrohlich.
    
    Arsch, ja, das war das richtige Stichwort, dachte sie angeekelt. Doch sie schwieg, denn ihre Vernunft meldete sich und gab ihr zu verstehen, dass er leider recht hatte. Sie seufzte. "Okay, ich mach´s...“ sagte sie leise, eher zu sich selbst, aber gerade laut genug, dass die anderen es hören konnten, und erschrak dann selbst: Hatte sie etwa eben zugestimmt?
    
    Doch die anderen jubelten bereits.
    
    Auch Weber zwang sich zu einem Lächeln. "Geht doch!" Und dann sagte er etwas, was sie nie für möglich gehalten hätte: "Danke!"
    
    "Oh Gott..." murmelte Jasmin, als ihr bewusst wurde, was sie gerade gesagt hatte. Alle begannen sofort schon ganz geschäftig mit irgendwelchen Vorbereitungen. Was hatte sie ...
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