1. Vom Leid des Erwachsenwerdens


    Datum: 02.08.2020, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: bySashinka

    ... Handbrause, regelte die Wasserwärme und begann sich, von ihrem Bauchnabel an abwärts, abzuduschen. Ich schlug meinen Bademantel wieder zu und verließ das Bad befriedigt lächelnd.
    
    Der Rest des Nachmittags schleppte sich etwas zäh. Sie war sehr lustig, aber sie schien abgelenkt und auf etwas zu warten. Ich wußte auf was! Sie sagte kein Sterbenswörtchen von dem Besuch am Mittag oder von der Verabredung, die sie für heute Abend getroffen hatte. Im Gegenteil! Sie sagte zu mir:
    
    "Wir machen es uns heute Abend ganz gemütlich, trinken eine gute Flasche Wein und werden uns 'was erzählen. Ja?"
    
    "Was soll die Scheiße? Was hat sie wieder vor? Warum kann sie, verdammt noch mal, nicht ehrlich sein?" dachte ich bei mir.
    
    Vielleicht wollte sie mich auch nur überraschen. Vielleicht war sie nicht sicher, wie ich auf Besuch reagieren würde. Wenn sie ihre Besuche bei Hélène zugrundelegte, so war sie bestimmt der Meinung, daß ich es ohne Störungen lieber hatte. Sie sagte, daß sie mich beobachtet hätte. Vielleicht hatte sie mich schon auf der elterlichen Party beobachtet. Wer weiß? Hélène hatte das ja auch getan und ich hatte es nicht bemerkt. Ich hatte ja nicht im Traum daran gedacht, daß ein Anderer oder insbesondere eine Andere Interesse daran hätte, mich zu beobachten. Ich dachte immer, ich wäre der Einzige, der diesem Hobby frönen würde. Aber weit gefehlt.... So kann man sich täuschen!
    
    Das Telefon, obwohl Samstag, stand kaum still. Während sie plapperte, schaute ich in die ...
    ... Glotze. Ganz Vortrefflich!
    
    "Das hätte ich auch Zuhause haben können!" Ich fing an etwas undankbar zu werden. Alles Außergewöhnlich wurde damals schon, für mich zum Normalen gehörend, abgetan. Mir kam das zwar noch nicht zu Bewußtsein, verhielt mich aber schon dementsprechend. Das Telefon klingelte wieder. Sie nahm den Hörer hoch:
    
    "Hallo?"
    
    Da in der Wohnung totale Stille herrschte, hörte ich auf der anderen Seite eine Frauenstimme zwirbeln.
    
    "Hallo Vera, das ist aber schön, daß du dich auch noch mal meldest!"
    
    -zwirbel-zwirbel-zwirbel-
    
    und zu mir gewandt flüsterte sie, den Telefonhörer zuhaltend: "Frau Jauleier-Vortritt!"
    
    -zwirbel-zwirbel-
    
    "Aha, es ist also so weit. Mal sehen was geschieht." dachte ich.
    
    -zwirbel-zwirbel-
    
    "Wie, Michael ist über das Wochenende auf der Jagd?"
    
    -zwirbel-zwirbel-zwirbel-
    
    Zu mir: "Ihr Mann, Michael, Jagd!"
    
    -zwirbel-zwirbel-
    
    "Ich, ich habe heute Abend gar nichts vor!"
    
    -zwirbel-zwirbel-
    
    Zu mir: "Sie ist allein und fragt mich...."
    
    -zwirbel-zwirbel-zwirbel-
    
    "Nein, ausgehen können wir leider nicht. Ich habe einen Gast."
    
    -zwirbel-zwirbel-
    
    Zu mir: "Die will wieder saufen gehen!"
    
    -zwirbel-
    
    Zu mir: "Essen gehen?" Ich nickte.
    
    "Ja, ist in Ordnung."
    
    -zwirbel-zwirbel-
    
    "Gute Idee! Wann kämest du denn dann?"
    
    -zwirbel-
    
    "In einer Stunde könntest du schon hier sein?"
    
    -zwirbel-zwirbel-zwirbel-
    
    Zu mir: "In einer Stunde?" Ich nickte wieder.
    
    -zwirbel-
    
    "Gut dann in einer Stunde hier. Nimm ...
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