1. Die Kurklinik


    Datum: 11.01.2021, Kategorien: BDSM Fetisch Autor: tekknomed

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    Jetzt war er schon seit drei Wochen hier und hatte außer einem ständigen Ziehen im Magen wenig aufregende Erlebnisse. Das lag allerdings hauptsächlich an der sogenannten Schonkost. Die Kurklinik war erst vor kurzem renoviert worden, zumindest was den Neubau betraf. Der Altbau war noch Vorkriegsarchitektur und eigentlich existierte nur noch der unterirdische Teil, also die einstigen Kellergewölbe. Wahnsinnige Experimente an hilflosen Patienten sollten dort angeblich in den 40er Jahren des letzten Jahrhunderts durchgeführt worden sein. Heute glänzte alles vor Sauberkeit und die dunklen Zeiten schienen vergessen. Das medizinische Personal war genau so steril wie vor zwanzig Jahren, als Walter Sonthofen zum ersten mal hier kurte und bis auf ein paar Ausnahmen auch genau so langweilig wie damals. Sein Gewicht reduzierte sich zusehends auf die nächst tiefere Dekade und sein sexuelles Verlangen stieg proportional auf die nächst höhere, auch wie früher.
    
    Eigentlich hatte sich seit der Zeit nicht viel verändert, wenn man mal davon absah, dass bisher noch keine einzige Gummischürze zu sehen war. Trug einfach niemand mehr, gab's wohl nicht mehr, schade. Genau davon wurde er schon sein Leben lang auf unerklärliche Weise sexuell erregt und das seit 63 Jahren.
    
    Die sogenannten Kurschatten, eine Herde enttäuschter Haus- und Ehefrauen die zum ersten Mal länger als drei Tage von ihren Gatten getrennt lebten, bildeten den harten Kern einer infantilen Freizeitneurose in solchen Nachmittags-Etablissements wie etwa 'Zum Kaktus' oder 'Tanz bei Mutter Hilde'.
    
    Meisten saßen die älteren Herrschaften, zu denen er sich inzwischen leider auch zu zählen hatte, mehr oder weniger frustriert vor einem Stück Schwarzwälder Kirschtorte und versuchten krampfhaft den Diätteufel zu beruhigen, der ihnen dauernd mit seinen Kalorien in den Ohren lag. Irgend ein Provinz-Heinz drückte irgend welche Tasten auf einem Ding von Yamaha und beleidigte die Ohren ziemlich taktlos mit seinem thumben Geklimper und den Versuchen, bekannte Schlagerstars noch schlechter rüber zu bringen, als sie ohnehin schon waren. Auch da hatte sich nichts verändert. Die automatische Orgel des dicken Ententrainers spielte inzwischen lediglich auch ohne ihn und sein Gesang kam aus einem Laptop.
    
    Man lag sich in den Armen, schloss neue Freundschaften, lachte und weinte, vom letzteren etwas mehr und war stets eifrig bestrebt das dauernde Hungergefühl für eine Weile zu vergessen. Ja ja, es gab immer noch die Tausend-Kalorien-Tische.
    
    So manche kleine Tragödie lauerte hinter den lächelnden Gesichtern der biederen Hausfrauen, die nach Jahren harter Arbeit zum ersten Mal weg von zu Hause waren und sich prompt in den ersten besten Eintänzer aus der Fischbratküche verliebten. In einer psychosomatischen Heilklinik wie hier, war das natürlich besonders peinlich. Da half auch das ganze autogene Training wenig. Viele weinten sich die Augen wund, weil so ein Vorort-Gigolo sie nach einem kurzen, professionellen ...
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