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Bis zur Hochzeit 01-03
Datum: 09.04.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: bya_german
... schrieb ich, dass Claudia, so hieß meine Nebensitzerin, einen ihrer Stabilostifte nehmen und auf den Boden fallen lassen sollte, wenn sie mich sähe. Dann begab ich mich in eine Toilette im Zug, um den kleinen Zettel im Waschbecken zu verbrennen (als Segler hat man immer ein Feuerzeug dabei). Die restliche Zugfahrt verschlief ich wie fast jeden Morgen. Am Institut quälte ich mich bis kurz vor Beginn der Vorlesung mit meiner Diplomarbeit herum. Schließlich betrat ich den Hörsaal und schaute mich um. Claudia saß an ihrem Stammplatz (achte Reihe von unten, direkt am Mittelgang). Ich ging nicht wie üblich den Mittelgang hinunter, sondern nahm die Treppen an der Seite und bog dann in die achte Reihe ein. Bis ich neben ihr stand passierte gar nichts. Als ich dann aber meinen Rucksack auf dem Boden abstellte und sie dabei einen Augenblick aus den Augen ließ, fiel ein Stabilostift neben mir auf den Boden. War das jetzt Zufall? Ich hob den Stift auf und gab ihn Ihr. Sie schaute mich überrascht an. Dann bedankte sie sich bei mir. Gleich darauf begann die Vorlesung. Ich verbrachte die Vorlesung mit der Frage, ob es solche Zufälle geben könnte und musste zugeben, dass es statistisch gesehen möglich wäre. Mein Experiment war somit fehlgeschlagen, weil ich den Ablauf nicht richtig beobachtet hatte. Das gleiche Experiment wollte ich nicht wiederholen. Es musste diesmal ein absolut hieb- und stichfester Gegenbeweis sein, den man auch gut beobachten konnte. An diesem ...
... Vormittag erschien es mir noch als absolut unmöglich, dass sich eine Frau einfach so vor einem auszieht und schon gar nicht Monika, die mir unsympathischste Kommilitonin aus meinem Semester. Uns hat sie häufig wie Luft behandelt, aber um die Assistenten scharwenzelt sie bis heute herum. Ich nahm also wieder einen kleinen Zettel, schrieb ihren Namen darauf und mehrere Zeilen mit Anweisungen. Ich verließ kurz die Vorlesung, um den Zettel in der Toilette zu verbrennen, denn nach der Vorlesung würden alle in die Mensa strömen. Das wollte ich für mein Experiment ausnutzen. Bis ich dem Dozenten wieder einigermaßen folgen konnte, war die Vorlesung auch schon vorbei. Ich verließ daraufhin zügig den Hörsaal. Mein Timing war optimal, denn als ich mich der Treppe näherte, die Monika laut den Anweisungen nehmen musste, sah ich sie schon die Treppe herunterkommen. Sie schlug den Weg zu den Toiletten ein, was genau meinen Vorgaben entsprach. Ich folgte ihr ohne zu zögern. Christoph, der ihr entgegenkam und sie ansprach, ließ sie einfach links liegen. Als sie an der Damentoilette vorbeiging und die quer stehenden Reihen mit den Schließfächern weiter entlang ging, wurde mir schon etwas komisch zu Mute. Sie bog anschließend in die hinterste Schließfachreihe ein. Ich beschleunigte meine Schritte. Dadurch erreichte ich kurz nach ihr die letzte Reihe. Sie war gerade dabei ihre Hose aufzuknöpfen, als ich um die Ecke bog und wie angewurzelt stehen blieb. Sie machte genau das, was ich ...