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London Calling 07
Datum: 18.04.2021, Kategorien: Erotische Verbindungen, Autor: byplusquamperfekt
... für heute verbraucht. Auf der Heimfahrt war ich völlig verwirrt, hin und hergerissen zwischen vor Freude lachen und vor Traurigkeit heulen. Zum ersten Mal hatte sie wirklich auf mich als Mann reagiert. Und gleichzeitig war ich mir fast vollständig sicher, dass die Geschichte mit Stan weitergehen würde. Aber die räumliche Trennung ... und Stan ... er brauchte vermutlich nur noch einen Fehltritt, um sie wirklich nachhaltig wegzustoßen. Hoffnung. Selig machende, quälende Hoffnung. Vielleicht war sie jetzt ja wirklich ins Grübeln geraten. Ich war mir nicht sicher, ob ich die ganze Sache forcieren sollte. Sie hatte mir mal vorgeworfen, dass ich nicht trotz ihres „Neins" weitergemacht hatte. Aber ich hatte diesmal nicht nur ihres, sondern auch mein eigenes zu überwinden. Nicht nur wegen Stan. Aber auch wegen ihm. Ich verschanzte mich in meinem Zimmer und las, um mich abzulenken. Im Gegensatz zu Sid, der damals Buchclubs für seine nicht ganz astreinen Geschäfte abgezogen hatte, hatte ich mich bei zweien als regulärer und zahlender Kunde eingeschrieben. Einer davon stellte edle Ausgaben von Klassikern her, mit eigenen Illustrationen und feinsten Decken. Es war ein ästhetischer Genuss, sie zu lesen. Meinen aufgewühlten Geist beruhigte dies zunächst, aber am nächsten Abend hielt ich es nicht mehr aus. Ich rief im Haus an. Gianna war dran und enttäuschte mich zuerst, weil sie meinte, Sara wäre wohl nicht da. Als ich dann aber ein paar Minuten mit ihr geplaudert hatte, kam ...
... sie doch zur Tür rein. „Hallo? Stan?" So wünscht man sich doch den Gesprächsauftakt mit dem geliebten Menschen. Na wunderbar. „Sorry, nur dein Freund Tom. Stan hat sich noch nicht bei dir gemeldet?" „Nein, bis jetzt noch nicht. Wie geht es dir?" Oh? Anteilnahme? Das waren ja ganz neue Züge. „Soweit ganz gut. Ein wenig durcheinander seit gestern." Es wurde still am anderen Ende der Leitung. Erst nach einer langen Pause entgegnete sie: „Das bin ich auch. Ich finde, wir sollten uns erst einmal nicht sehen." So eine Reaktion hatte ich fast erwartet. So leicht ließ ich sie aber nicht davonkommen. „Warum? Wir haben nichts getan, dessen wir uns schämen müssten." „Das kann man so oder so sehen. Tom, lass uns Freunde bleiben. Ich kann das jetzt gar nicht gebrauchen. Ich bin schon durcheinander genug." „Du schämst dich dafür, über Sex mit mir nachgedacht zu haben?" „Wie kommst du darauf ... das hat doch mit Fühlen nichts zu tun?" „Nur mit Beobachtungsgabe. Was ich gefühlt habe, hat mich dazu gebracht, gestern vier Mal lustig an meiner Palme zu wedeln, bis ich dann endlich eingeschlafen bin. Und rate mal, an wen ich dabei gedacht hab." „Tom! Sowas sagt man doch nicht." „Du und dein Puritanismus. Dein vorgegebener Puritanismus. Es macht dich feucht, an mich zu denken, nicht wahr?" „Tom ... lass das bitte ... ich fühle mich nicht wohl dabei ... versteh doch." „Kriege ich vielleicht eine ehrliche Antwort auf meine Frage?" „Welche Frage ...