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    Datum: 08.10.2021, Kategorien: Sonstige, Autor: lost_of_mind

    ... hat viel Freizeit. Noch mehr seit er den wahren Wert seiner Arbeit erkannte und sich ordentlich dafür bezahlen ließ. Hatte er nach dem Krieg im Heimatland anfangs noch 2-3 Einsätze pro Monat für einen niedrigen vierstelligen Sold, wo alte Rechnungen beglichen wurden, so waren es jetzt vielleicht noch 5-6 pro Jahr, dafür jedoch International bei fünfstelligen Gagen. Und er lebte fortan gut davon.
    
    Zu seinem Überleben gehörte seit seinem 17ten Lebensjahr immer Tarnung. Nur nicht Auffallen, egal was du machst. Genauso blieb es, bis heute. Nur nicht auffallen. Sein reichliches Einkommen konnte er nicht ausgeben, es wäre aufgefallen zuviel Geld zu verbrauchen ohne offensichtlichen Job.
    
    Die Nachbarn dachten alle er lebt vom Sparbuch seiner Mutter. Dabei war es seine Mutter, welche einen kleinen Teil seiner Einkünfte nach und nach, deklariert als Einkünfte durch Landwirtschaft und Heimarbeit, auf ihrem Sparbuch "einpflegte", der Rest wurde "unter seinem Kopfkissen" deponiert.
    
    Seine Mutter wollte nicht wissen was ihr Sohn da so genau machte. Sie ahnte es vielleicht. Er war ein guter Junge, ging wieder zur Schule. Abendschule. Er lernte fleissig, sie war froh dass sich ihr Junge nicht wie all die anderen aus der Nachbarschaft nur herumtrieben und den Tag mit Kartenspielen und Saufen vergeudete. Insgeheim bedauerte sie es dass sie nicht damals selber für die Ausbildung ihres Sohnes sorgen konnten. Damals, als ihr Josip noch lebte.
    
    Wenn man unseren Darsteller denn mal sehen ...
    ... oder wahrnehmen würde wäre man sehr überrascht. Nichts, rein garnichts deutet auf seinen Beruf hin. Er wirkt wie der nette Nachbar von nebenan oder der klassische Schwiegersohn, wie ein Papa der seine Tochter von der Schule abholen könnte.
    
    Gepflegtes Auftreten, charmante südländische Ausstrahlung, weltgewandt, sprachbegabt. Schlank, leicht sportliche Statur. Sieht man ihn tatsächlich mal dann nimmt man ihn eher sympathisch wahr und vergisst ihn sogleich wieder. Der Stealthman. Das wäre ein guter Name für ihn.
    
    Man darf auch keine falschen Vorstellungen von so einem Job haben. Es ist nicht so einfach, wie es immer in den Kinofilmen dargestellt wird. Hinfahren - Job erledigen - Bezahlung in einem Kuvert unter einen Mülleimer im öffentlichen Park geklebt - mit der Luxuslimousine heimfahren - den Job mit fetten Zigarren in einem Bordell feiern.
    
    Nein. So ein Job erfordert exakte Planung und umfangreiche Recherchen im Vorfeld. Stichwort Eigensicherung. Der eigentliche Job ist vielleicht nur wenige Minuten. Aber bis es dazu kommt können manchmal Tage, manchmal Monate vergehen. Je nach Ziel. Man muss die genauen Umstände kennen um das Risiko und die Vorgehensweise abschätzen zu können. Dies alles möglichst Unauffällig. Recherchen kosten Geld, man geht erstmal beträchtlich in Vorleistung.
    
    Dazu muß man sich in ländlicher, bäuerlicher Umgebung genauso bewegen können wie im nobelsten Wohnviertel einer Stadt. Die Leute merken schnell wenn du wo nicht hin gehörst und sofort sehen ...
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