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    Datum: 08.10.2021, Kategorien: Sonstige, Autor: lost_of_mind

    ... Firma vielleicht noch retten."
    
    "Und das Geld?"
    
    "Sie bekommen ein paar Wochen nach Auszahlung der Versicherung eine Rechnung aus Russland. Über 3,4 Millionen. Für Maschinenteile und Lizenzgebühren. Das sind die Schulden ihres Mannes."
    
    "Ich denke 3,2 Millionen?"
    
    "Die Zinsen laufen weiter auf. Sie lassen diese Rechnung überweisen und sind damit endgültig aus dem Schneider."
    
    "Und ihr Honorar?"
    
    "Das regeln wir anders."
    
    "Und wie?"
    
    "Haben sie sonst noch Fragen?"
    
    "Ja. Sehe ich sie wieder?"
    
    Eine Pause entstand. Diese Frage überraschte ihn angenehm. Er überlegte hektisch. "Wenn sie möchten? Natürlich erst nach einer angemessenen Zeit der Trauer."
    
    "Ich hatte 15 Jahre schon ein Trauerspiel!"
    
    Er grinste über ihren Humor. "Ich melde mich bei ihnen. Wenn sie nicht mehr überwacht werden." "Bald?"
    
    "Zur passenden Zeit."
    
    "Ich werde bespitzelt?"
    
    "Von der Versicherung. Sie suchen wie üblich einen Grund um die doch recht hohe Auszahlung zu verweigern. Sehen sie den dunkelgrünen Golf dort drüben? Nicht direkt hinsehen!"
    
    Zwei Zapfpistolen klackten kurz hintereinander, zwei Tankdeckel wurden verschlossen. Carina schlenderte zum Kassenhäuschen, wunderte sich noch wie blöde man einen Transporter doch parken kann. Sie bemerkte auch nicht welcher Mann vor ihr an der Kasse tatsächlich die Rechnung der zweiten Zapfstelle beglich. Wie sie zu ihrem Wagen ging waren der Lieferwagen und die dezente Familienlimousine weg. Suchend sah sie sich um. Nicht nur nach ...
    ... ihm, sondern auch nach jemandem der sie beobachtet.
    
    Die feinen Härchen an ihrem Arm stellten sich auf. Das würde ihr kein Mensch glauben, sie dachte immer so etwas gäbe es nur im Fernsehen. Und sie begann ihn zu Vermissen.
    
    Die Wochen und Monate vergingen. Carina hatte tatsächlich sofort den alten Geschäftsführer kontaktiert. Der wollte zunächst das Gespräch mit ihr abblocken, erst als er erfuhr dass sie nun die neue Chefin des Unternehmens sei redete er wenigstens mit ihr, hörte sich ihr Angebot an.
    
    Danach sagte er überraschend schnell zu. Während der Kündigungsfrist im anderen Betrieb verbrachte er schon viele Stunden am Abend und an Samstagen mit Carina in seinem alten Büro, um den hinterlassenen Schweinestall aufzuarbeiten. Carina sagte ihm Prokura und die alleinige Leitung zu, sie würde ihre Rolle im Betrieb nur auf Controlling beschränken. Er glaubte ihr und unternahm alles um sie einzuweisen. Carina verkaufte das ungeliebte protzige Haus, zu viele schlechte Erfahrungen waren damit verbunden.
    
    Sie und Kathrin zogen in ein kleines Häuschen am Stadtrand. Mit der Preisdifferenz der Häuser konnte sie nach Abzug der Hypothek die Banken etwas ruhig stellen, der Betrieb war vorerst wieder liquide. Auch ihr eigenes Gehalt bemaß sie eher an den Bezügen einer Sekretärin, so war fortan der größte Posten in den Bilanzen, die Verschwendungssucht von Karl Theodor eliminiert. Der Geschäftsführer sah mittelfristig eine Überlebenschance für den Betrieb.
    
    Die Zeit verging ...
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