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Feuer und Wasser
Datum: 30.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... eigene Wohnung. Zwar nur gemietet, aber es bestand eine Kaufoption. Morgen würde er gemütlich auspacken, einräumen und darauf warten, dass sein neuer Computer geliefert und eingerichtet wurde. Er hätte das zwar selber machen können, aber der Verlag hatte den Aufbau, seine Einweisung und das Aufspielen der neuen Software mit der Herstellerfirma vereinbart. Morgen würden auch seine neuen Möbel von Patrick angeliefert und aufgebaut werden und dann würde er sich erst richtig wohlfühlen. Für eine Nacht würde es die Luftmatratze tun. Jürgen machte eine Flasche Wein auf, füllte sein Glas und setzte sich auf den Balkon. Dort stand noch ein alter Plastikstuhl von einem Vormieter, der verdächtige Geräusche von sich gab, als Jürgen sich hinein lümmelte. Im Westen ging langsam die Sonne unter und es wurde ruhiger auf der Dorfstraße. Gegenüber in der Bank brannte noch Licht und ihm fiel ein, dass Elvira abends dort putzte. Er richtete sich ein wenig auf und spähte über die Brüstung. Er sah einen Schatten, der sich im Eingangsbereich der Bank hin und her bewegte. Allmählich wurde er ganz kribbelig. Wann würde sie endlich heraus kommen? Sollte er sich bemerkbar machen? Nein, besser nicht, denn er wusste nicht, wie sie reagieren würde. Dann verließ Vira das Gebäude, sperrte die Tür ab und ging zu ihrem Auto. Jürgen lehnte sich zurück und schloss die Augen. Er hatte sie gesehen und würde bestimmt von ihr träumen. Er gestand sich ein, dass sie ihm schon sehr gefehlt ...
... hatte. * Elvira setzte sich in ihr Auto und seufzte. Endlich Feierabend. Sie warf einen kurzen Blick zu der Wohnung im ersten Stock, die nach Arnes Aussagen von dem unmöglichen Kerl gemietet worden war, der ihr so entsetzlich auf die Nerven ging. Aber an ihm konnte sie sich so schön abreagieren, wenn sie mal wieder ´Scheiße drauf` war. Und trotzdem fehlte er ihr irgendwie. Am Morgen, wenn sie zur Arbeit fuhr, im Supermarkt, wenn sie einkaufte und er im Café saß und bei Arne im Eisiglu, wenn er sie anstarrte und sie ihn daraufhin anbellen konnte. Sie konnte ihn nicht ausstehen, so redete sie es sich jedenfalls immer häufiger ein und wollte ihn auch gar nicht sehen, aber er war ein Reibungspunkt und ohne ihn war ihr Tag unvollständig. Jürgen war ganz unbemerkt zu einem Fixpunkt in ihrem Alltag geworden. Was war nur mit ihr los? Sie war in der letzten Zeit so unausgeglichen, dass es sogar schon ihrer Tochter aufgefallen war, aber sie konnte doch Ramona nicht sagen, was der Grund für ihre Sprunghaftigkeit war. Was sollte das Kind denn von ihr denken? Sie warf noch einen letzten Blick zu der dunklen Wohnung hinauf, dann startete sie den Motor und fuhr nach Hause. Jürgen blickte ihr hinterher, sah wie sie Dorfstraße hinauf fuhr und in die Straße zur Schule abbog. Er hatte von Arne erfahren, wo sie wohnte und wußte, dass es gar nicht so weit von ihm entfernt war. * Am nächsten Morgen wurde er schon um 5 Uhr wach. Nach einer kurzen Dusche zog er sich rasch an und ...