1. Ein Engel in der Dunkelheit


    Datum: 19.04.2023, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... sich vorstellen konnte. Alles brach um ihn herum in Stücke. Während er weiter sinnierte, kamen ihm wieder Jakobs Worte in den Sinn.
    
    „Ich sollte einfach allen einen Gefallen tun und tot umfallen... ist es das, was du willst, Jacqueline? Scheint, als ob du deinem Bruder zustimmst, sonst hättest du mir diese Nummer nicht gegeben."
    
    Konrad griff in seine Tasche und zog ein Klappmesser heraus. Es war ein Abiturgeschenk seines Großvaters gewesen, bevor er einige Monate später verstarb. Weit entfernt von dem typischen Schweizer Taschenmesser, klappte er die glänzende 10 cm-Klinge auf, die in schönem Kontrast zum Holzgriff stand. In das Holz eingelassen waren Konrads Initialen. Er hatte es noch nicht benutzt, hatte es nie nötig gehabt. Während er auf sein Spiegelbild in der Klinge starrte, wiederholte er immer wieder Jakobs Worte in seinem Kopf.
    
    "Vielleicht ist das keine so schlechte Idee..."
    
    Gerade als Konrad den Griff fest in seiner Hand hatte und sich darauf vorbereitete, das Messer an seine Kehle zu führen, kam eine unbekannte Stimme von der Seite.
    
    "Hallo."
    
    *****
    
    Gabriele Lindinger entspannte sich in einem Gartenstuhl und genoss die frische, kalte Luft von Heiligabend. Dies war ihre Lieblingszeit des Jahres und die Möglichkeit, ihren Lieblingsweihnachtsfilm „It's a Wonderful Life" im Freien zu sehen, machte es noch besser. Alles passte perfekt zu ihrer Lebensphilosophie: Leben für das Glück. Nicht nur ihre eigene, sondern auch so viel wie möglich für die ...
    ... Welt um sie herum.
    
    „Du willst den Mond? Sag einfach ein Wort und ich werfe ein Lasso darum und hole ihn dir herunter."
    
    "Oh, James Stewart, du Charmeur..." Gabi seufzte.
    
    Bald nahmen ihre Gefühle zu, als für die hoffnungslose Romantikerin George Bailey dem Druck und den Ungerechtigkeiten des Lebens zu erliegen begann. Er hatte seinen eigenen Onkel beschuldigt, ihr Geschäft zerstört zu haben, seine Frau und seine Kinder wütend angegriffen und war zu seinem verhassten Rivalen gekrochen, um einen Kredit zu bekommen. Die schwierigsten Szenen für sie waren immer der Kneipenkampf und der Autounfall. Trotzdem hatte sie es immer durchgehalten. Das Beste sollte ja noch kommen.
    
    Gerade als George auf der Brücke stand, erblickte Gabi etwas aus dem Augenwinkel. Ein junger Mann von ungefähr neunzehn oder zwanzig Jahren sah sich den Film aus der Ferne an und lehnte sich gegen einen Baum in der Nähe der Straße. Sein Gesicht verzog sich vor Angst, als er den Schmerz im Film sah und er wirbelte bald herum und ging in den nahe gelegenen Park. Gabi konnte nicht erklären warum, aber etwas zwang sie, ihm zu folgen und sicherzustellen, dass es ihm gut ging.
    
    Sie klappte ihren Gartenstuhl zusammen, ging am Rand der Grünfläche entlang und erreichte bald den Eingang zum Park. Als sie ging, hörte sie wütende Schreie vor sich; es klang, als wäre der junge Mann in emotioneller Not. Nach ein paar Minuten stieß sie auf den Brunnen in der Mitte des Parks. Auf einer Bank saß der Mann von vorhin und ...
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