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Das Aschenputtel
Datum: 28.06.2023, Kategorien: Sonstige, Autor: lost_of_mind
... Sie drehte ihren Kopf, hielt mich am Kinn fest und küsste mich trotz ihrer derben Alkoholfahne provokativ lasziv lange voll auf den Mund. Der Verkäuferin entgleisten etwas ihre Gesichtszüge, sie sah betreten zu Boden. "Sie müssen sich eben auch eine wohlhabende Partnerin anlachen, die ihnen so etwas kaufen kann." Sagte Doro nun etwas schnippisch. Der Verkäuferin klappte auch noch das Kinn nach unten. In diesem Moment begriff ich die Tragweite der Äußerung nicht, benebelt vom Glühwein, eingelullt von den Albernheiten des ganzen Nachmittags, grenzenlos erheitert vom dummen Gesicht der Verkäuferin, überrascht von Doro's Wortfertigkeit. So traten wir wieder in den kühlen Wintertag hinaus. "Jetzt brauchen wir noch passende Schuhe!" Ich weiß nicht mehr von wem der Einfall kam, aber wir Frauen achten da immer sehr darauf. Alles muss zusammen passen. "Kannst du dich überhaupt mal von deinen Cowboystiefeln trennen, Doro? Oder schläfst du mit denen auch Nachts?" "Ja, dann habe ich Lederallergie. Immer wenn ich morgens aufwache und meine Stiefel noch trage dann habe ich soo Kopfschmerzen!" Wieder albernes Kichern. "Guck mal, dort im Geschäft hat es Restposten vom Sommer." Sie wollte Pumps dazu. Klassische Pumps. Es gab sogar noch welche in passendem Dunkelblau, wie sie durch anheben ihres Rockes und dem vergleich mit ihren Strümpfen feststellte. Grösse 39. Ich hätte jetzt mehr geschätzt bei ihrer Körpergröße. Es gab sie aber nur noch mit hohen Absätzen. Sehr ...
... hohen und sehr dünnen Absätzen. Was auch wieder irgendwie zu ihrem Darunter passte, nicht jedoch zu ihrer Erfahrung im Laufen mit solchen Schuhen. Egal, genau diese mussten es sein. Diesmal registrierte ich den Preis bei der Unterschrift, jedoch war dieser nicht Besorgniserregend. Für den längeren Heimweg wurde auf die bewährten schäbigen Stiefel zurückgegriffen. Jener welcher Abend. Von Kindern herbeigesehnt, von Ehepaaren oft mit gemischten Gefühlen erlebt, von Alleinstehenden meist gefürchtet. Mir blieb Einsamkeit diesmal glücklicherweise erspart. Natürlich hätte ich auch zu meinem Bruder oder dem Rest der Familie gekonnt, um den Preis mir dann wieder dumme Fragen und allwissende Ratschläge anzuhören. Dann lieber so. Ich bemühte mich sehr in der kleinen Singleküche ein festliches Mahl zu zaubern und auf dem neuen Esstisch entsprechend dem Anlass zu Servieren. Als es an der Türe bimmelte wusste ich diesmal ja wer davor stand und öffnete mit pochendem Herzen. Dessen Pochen sich stark erhöhte als ich Dorothea sah. Wie sie mich Anlächelte. Festlich gekleidet. Ohne Brille. Mit sorgsam gerichteten blonden Haaren. Wie das Christkind persönlich. "Doro, komm rein! Frohes Fest!" Unsicher mit schwankenden Knöcheln wegen ihren neuen Pumps betrat Doro meine Wohnung, sah den festlich eingedeckten Tisch im Kerzenschein, in dem außer zwei großen Ledersäcken sonst leeren Raum. Die Kartons hatte ich alle gewissenhaft im Schlafzimmer an eine Wand gestapelt. Sie zog Luft in die ...