1. Das Aschenputtel


    Datum: 28.06.2023, Kategorien: Sonstige, Autor: lost_of_mind

    ... wechselten wir das Schuhwerk, sie aus ihren obligatorischen schäbigen Cowboystiefeln, ich aus meinen feinen Lederstiefelchen.
    
    Ich zügig, sie etwas Hilflos. Die Cowboystiefel konnte sie tatsächlich ausziehen, die waren also nicht fest gewachsen. Kurz sah ich ihre zarten geraden Zehen durch die verstärkte Spitze der Feinstrumpfhose, die schwarz gelackten Zehennägel durchschimmern. Mit ihren wirklich zierlichen Händen bekam sie nicht genügend Kraft auf die langen Bänder ihrer derben Schlittschuhe, sah mich bittend an: "Könntest du vielleicht...?"
    
    Dazu kniete ich mich dann vor sie auf die grüne Gummimatte. Ein seltsames Gefühl, etwas Nässe sickerte an mein Knie. Für meinen freien Zugriff schürzte sie ihren langen weiten Rock. Doro trug eine dickere graue Feinstrumpfhose darunter. Aber was interessierte mich das? Und wozu zog sie den Rock bis weit über die Knie? Ich wurde Nervös.
    
    Ertappte mich mehrmals wie ich versuchte weiter unter den Rock in die Dunkelheit hinein zu blicken. Sonja, was ist nur los mit Dir? Schalt ich mich selber. Die Musik wurde immer fetziger, bunte Lampen zuckten durch die stetig kreisende Menge.
    
    "Soo, Fertig."
    
    Doro stand auf und half mir fürsorglich wieder auf die Beine, einen Moment standen wir uns ganz dicht gegenüber und blickten uns in die Augen.
    
    "Jetzt aber los, Sonja." Befahl sie. "Bevor die Musik vorbei ist."
    
    Als wenn das meine Schuld gewesen wäre? Sie ergriff meine Hand und mit wackligen Beinen fädelten wir uns in den endlos ...
    ... kreisenden Strom von Menschen auf dem Eis ein. Es wurde ein sehr unbeschwerter und fröhlicher Einstieg in die Eislaufsaison. Wir hangelten uns an der Bande entlang, wichen den testosteronüberfüllten Jugendlichen aus, die den vielen Mädchen imponieren mussten und den kleinen Kindern, die mehr fielen als sie liefen.
    
    Aber stets hielt Doro irgendwie Körperkontakt zu mir, entweder meine Hand oder sie hakte sich
    
    unter. Ich genoss es irgendwie, war ich nicht alleine unterwegs und ich fühlte mich auch so sehr viel jünger. Den schnell schmerzenden Füßen nach reichte die verbliebene Stunde auf dem Eis auch völlig aus.
    
    "Was wollen wir jetzt noch machen?" Ihre scheinbar interessierte Frage an mich, als wir mit seltsam schwebendem Gang und über die Schultern an den Schuhbändern baumelnden Schlittschuhen die Arena verließen. Wie selbstverständlich nahm Doro mich wieder bei der Hand, wie vorhin schon die ganze Zeit auf dem Eis.
    
    "Ich weiß nicht," meine ehrlichen Zweifel, "ich kenne hier noch nichts, weißt du etwas wo wir noch etwas trinken können?"
    
    "Klar, ist gar nicht weit weg, 20 Minuten zu Fuß."
    
    Wir schlenderten in die romantisch beleuchtete Altstadt hinein, zu einem Kaffeehaus, welches einem Wintergarten nachempfunden ist. Die Gäste überwiegend junge Leute wie Doro, offensichtlich viele Soldaten aus dem nahen Fliegerhorst, die uns - oder besser vorwiegend Doro aufmerksam musterten.
    
    Als wir andächtig in unseren dampfenden Tassen rührten entwickelte sich langsam ein ...
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