1. Die nackte Phäakenprinzessin am Strand


    Datum: 19.11.2018, Kategorien: CMNF Autor: baer66

    Der mit der Flut des Vorabends an den goldgelben Strand von Ermona gespülte Odysseus reibt sich schlaftrunken die Augen. Nach den erotischen Abenteuern mit Königin Dido in Karthago und der hübschen Nymphe Kalypso in Ogygia liegen anstrengende Monate auf hoher See in der glühenden Sommerhitze am Mittelmeer hinter dem Achaier. Erschöpft fällt er in einen todesähnlichen Schlaf, kaum dass seine Füße statt der schwankenden Schiffsplanken endlich wieder festen Boden unter sich verspüren.
    
    Die schlanke, blonde Erscheinung schenkt dem verwirrten Seemann ein bezauberndes Lächeln. Sie steht nackt vor ihm, so wie sie Venus geschaffen hat. Auf seinen ungläubig fragenden Blick antwortet sie mit einem Schlag ihrer langen schwarzen Wimpern, unter denen eisblaue Augen hervorblitzen. "Wo bin ich?", stammelt der Listenreiche, der offenkundig gerade am Ende seiner Weisheit angelangt ist. "Und wer bist Du, meine Schöne?"
    
    "Nausikaa, die Tochter von Antinoos, des Königs der Phäaken." Die Stimme der Prinzessin tönt glockenhell durch die frische Morgenluft und wird nur durch das leise Rauschen der Brandung begleitet. "Du bist auf unserem herrlichen Eiland Scheria gestrandet, auf das noch nie ein fremder Eindringling seinen Fuß zu setzen gewagt hat", fügt sie mit leisem Vorwurf hinzu.
    
    Diese Anschuldigung trifft Odysseus. Er schämt sich plötzlich, die paradiesische Insel heimlich wie ein Dieb in der Nacht betreten zu haben, blickt verlegen an seinem verschwitzten, salzverkrusteten Körper ...
    ... hinab, fährt mit der rechten Hand durch seine verfilzten Haare und reißt schnell einen dicht belaubten Ast vom Olivenbaum neben sich ab, um damit seine Blöße zu bedecken.
    
    Doch der Fremde gefällt der Königstochter trotz seines verwahrlosten Aussehens. Sein Blick ist stolz, seine Rede gewandt. Er sieht zwar auf den ersten Blick aus wie ein Landstreicher, bei näherer Betrachtung kommt aber seine edle Herkunft zu Tage. Nausikaa ist neugierig wie die meisten Frauen und so stellt sie die Frage, die ihr auf den Lippen brennt: "Wer bist Du, Fremder? Und wo kommst Du her?" Odysseus ist nun hellwach und auch sein Selbstbewusstsein ist zurückgekehrt: "Meine Geschichte ist lang, Prinzessin. Viel zu lang für ein kurzes Gespräch am Strand!"
    
    Lebensechte Bilder von vergangenen Eskapaden steigen vor seinem geistigen Auge hoch. Er sieht die Königin Dido, die ihm völlig nackt bis auf den schweren Goldschmuck ihr afrikanisches Reich zu Füßen gelegt hat und ihren verführerischen jungen Körper dazu. Und die Nymphe Kalypso, die ihm für heißen Sex ewige Jugend versprochen hat, sollte er bei ihr bleiben. Ja, er hat wahrlich die Freuden der Liebe in vollen Zügen genossen. Doch wann? In einem längst verblichenen Leben in einer versunkenen Zeit.
    
    Von Amors Pfeil getroffen, wartet Nausikaa nicht mehr auf weitere Erklärungen, schlingt ihre schlanken Arme um den ausgehungerten Seefahrer und ihre vollen roten Lippen schenken ihm einen langen intensiven Kuss. Odysseus schließt die Augen, drückt sie fest ...
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