1. Vom Leid des Erwachsenwerdens


    Datum: 02.08.2020, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: bySashinka

    ... nicht!"
    
    "Meinst du denn ich hätte Knöpfe auf den Augen und nicht den tiefen Ausschnitt unter ihrem Bolerojäckchen bemerkt? Da fiel ja fast alles oben 'raus! Dann die schwarzen Strümpfe mit Naht zu einem rosa Kleid! Und kann man dazu überhaupt noch Kleid sagen? Oben gar nichts und unten ganz wenig! Abgesehen davon, daß es durch seine Enge fast transparent war, war es so kurz, daß ich ihren Bauchnabel sehen konnte, als sie sich setzte!"
    
    "Ja, wirklich?" fragte ich und konnte nicht anders als lachen. Ihre Beschreibung war wirklich lustig. Und wie sie sich dabei exaltierte! Zum guten Schluß noch das mit dem Bauchnabel, war die Krönung. War sie eifersüchtig?
    
    "JA, WRKLICH! Lach' nicht! Mir ist es ernst!" Ich lachte weiter, je mehr sie sich aufregte: "Du mußt doch zugeben, daß das ziemlich eindeutig oder zumindest außergewöhnlich war."
    
    "Hélène ist eben eine außergewöhnliche Frau!" gab ich zurück.
    
    Während sie den letzten Satz verdaute, beruhigte sie sich und meinte dann:
    
    "Das ist sie wirklich."
    
    "Na bitte!" dachte ich.
    
    "Sie ist ein außergewöhnlich hübsch, hat eine gute Figur und weiß sich auch zu kleiden!"
    
    "Genau!" bestätigte ich.
    
    "....und wie findest du mich?"
    
    "Das Kleid ist nichts."
    
    "Den alten Fetzen habe ich nur angezogen, um dich abzuholen. Ich wollte deine Eltern nicht auf dumme Gedanken bringen, verstehst du?"
    
    "Ich verstehe dich genau."
    
    "Ich zieh mich dann eben jetzt um."
    
    "Das ist gut."
    
    "Hélène sagte mir mehrmals, daß du einen guten ...
    ... Geschmack hast. Vielleicht schaust du dir meine Garderobe einmal an und suchst etwas aus?"
    
    "Das mach' ich sehr gerne für dich."
    
    "Dann komm'. Ich zeig' dir den Weg."
    
    Ich folgte ihr ins Schlafzimmer und merkte da erst richtig, wie groß ihre Wohnung eigentlich war.
    
    Das Schlafzimmer war von einem riesigen Bett dominiert. Außerdem war da noch ein, sich über eine ganze Wand erstreckender, vollverspiegelter Einbauschrank, ein riesiges Panoramafenster, ein Parawan und ein Schminktisch, der daneben, am Fenster stand.
    
    Neben der Eingangstüre, sah ich im Spiegel eine weitere, die zum Bad führte, wie ich später entdeckte. Sie riß nacheinander alle Schranktüren auf und fragte:
    
    "Kannst du damit etwas anfangen?"
    
    "Ich glaube schon" sagte ich und trat näher.
    
    Ich fing in der ersten Abteilung von links an mich umzusehen: Auf der ganzen Höhe Pumps auf Messingstangen angeordnet. Zweite Abteilung: Sandaletten. Dritte: Hüte, Schals, Handtaschen. Vierte: Schubfächer mit Dessous, Strümpfen und Handschuhen. Fünfte bis siebte inklusive: Klamotten, dicht an dicht. Achte: Accessoires und ein kleiner, eingemauerter Safe. Genug zu tun.
    
    Ich fing an in den Kleidern zu wühlen. Sie beobachtete mich sehr interessiert dabei, wie ich ihre Sachen fachmännisch in Augenschein nahm. Dann-und-wann ein Stück herausnahm, um es näher zu betrachten, erzählte sie immer eine kleine Geschichte zu dem Kleid. Wann und Wo und unter welchen Umständen sie es gekauft hatte. Das fand ich sehr sympathisch. ...
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