1. Der Dessousshop Teil 04


    Datum: 07.11.2020, Kategorien: Hausfrauen Autor: byquasarman

    ... verschwunden.
    
    „Sie sind weg."
    
    Er ließ die Bemerkung einfach im Raum stehen und sah zu Sabine hinüber, die fahrig an einer Zigarette sog. Sie hob den Kopf und sah wieder zu ihm. „Und jetzt?"
    
    Schulterzucken. Leere breite sich in dem Raum aus, der noch vor ein paar Minuten von animalischer Leidenschaft erfüllt war.
    
    Die Warum-Frage beschäftigte auch Sabine. Warum konnte sie sich nicht beherrschen? Warum hatte sie sich ficken lassen, anstatt wie gewollt mit ihm zu reden? Warum war es überhaupt so weit gekommen? Warum? Und wie sollte es jetzt weitergehen?
    
    Aber all dieses „hätte, wäre, wenn" war jetzt unwichtig. Fakt war, dass Heike sie erwischt hatte und die Situation mehr als eindeutig gewesen war.
    
    „Ich muss nach Hause. Muss hier raus."
    
    Marco nickte nur, als Sabine aufstand, ihre Sachen zusammenklaubte und ins Badezimmer verschwand und sich zu duschen.
    
    Fünfzehn Minuten später stand sie mit wackligen Beinen auf der Straße und warf einen Blick nach oben zum Fenster an dem Marco immer noch wie paralysiert stand. Sie hatten sich zum Abschied nur kurz gedrückt. Keine weitere Zärtlichkeit und dann war Sabine gegangen. Nein, nicht nur gegangen geradezu geflohen. Aber das Ziel ihrer Flucht lag, wusste sie nicht.
    
    Nach Hause zu ihrem Mann, der sicher Fragen würde, warum sie so neben der Spur war? Weil ich den Freund unserer Tochter ficke und Heike uns erwischt hat... Sicher nicht die beste Idee. Wo sollte sie hin?
    
    Wieder das Vibrieren ihres Mobiltelefons. ...
    ... Vielleicht war es ja Heike, die reden wollte. Hektisch fingerte sie das Gerät aus der Handtasche und las: „Na, wie war es? Geredet oder Schweinkram gemacht?"
    
    Julia. Das könnte helfen. Sie öffnete die Autotür, setzte sich und wählte Julias Nummer.
    
    Schon nach kurzer Zeit ging Julia ans Telefon: „Hallo Chefin. Alles ok?"
    
    „Nein, können wir reden?
    
    „Am Telefon, oder willst du zu mir kommen?
    
    „Gerne zu dir. Wo wohnst du nochmal genau?
    
    Julia nannte ihr die Adresse und fragte dann ernsthaft besorgt: „Was ist passiert?"
    
    „Erzähl ich dir gleich. Ich muss jetzt erst mal selber meine Gedanken ordnen und diese Katastrophe verarbeiten."
    
    „Ok. Das klingt nicht gut"
    
    „War es auch nicht. Und wird es glaube ich auch nicht wieder. Ich fahr jetzt los. Bis gleich."
    
    Sie legte auf und fädelte sich immer noch zitternd und verwirrt in den Verkehr ein.
    
    Zwanzig Minuten später stieg sie die Treppen zu Julias WG Bude hinauf und fragte sich zum circa hundertsten Mal wie und warum es soweit kommen konnte, dass sie ihre schlimmsten Probleme nur mit einer Studentin besprechen konnte, die so alt war wie ihre Tochter. Ihr Leben zog an ihr vorbei und sie ahnte, dass sie begann die Kontrolle darüber zu verlieren.
    
    „Hi." Julia lehnte im Türrahmen und hielt die Tür selber geöffnet. „Komm rein. Du siehst echt fertig aus. Kaffee oder lieber was härteres?"
    
    Sabine musste trotz der Situation grinsen. „Gerne was Hartes."
    
    „Musst dir keine Sorgen machen. Die beiden anderen sind unterwegs. ...
«12...456...15»