1. Die Rache


    Datum: 02.02.2021, Kategorien: Sonstige, Autor: Pia von Baden

    ... mich vielleicht noch mit Maximilian treffen", erwähnte ich beiläufig. Der ahnte zwar nichts von seinem Glück, aber das konnten die anderen ja nicht wissen. Er war ein ungewöhnlich schöner und kultivierter Mann. Wir hatten uns sehr nett unterhalten. Mehr war in dieser kurzen Zeit leider nicht möglich gewesen.
    
    "Ach, der leckere Kerl, mit dem ich dich vorhin gesehen habe?", fragte Lara neugierig.
    
    "Ja. Sieht er so gut aus? Wir haben nett geplaudert. Er hat den gewissen Charme, der vielen Männer so abgeht", antwortete ich und schaute Jannik an.
    
    "Ich drücke dir auf jeden Fall die Daumen", meinte Lara, während Sophies Miene sich zusehends verfinsterte.
    
    "Kann er notfalls bei mir übernachten?", fragte ich ihren Freund.
    
    "Kein Problem", antwortete dieser grinsend.
    
    "Es könnte gegebenenfalls laut werden", meinte ich und versuchte dabei, ein wenig verrucht dreinzuschauen.
    
    "Ach, schnarcht er?" Janniks Grinsen wurde immer breiter.
    
    "Ich glaube, unsere liebe Pia meint etwas anderes", sprang mir Niklas zur Seite.
    
    "Na, dann kann ich es kaum erwarten." Überheblich sah Jannik mir direkt in die Augen. Und dann ließ er die Bombe platzen. "Ach Pia, du weißt aber schon, dass Max schwul ist, oder?"
    
    Sophie, das oberflächliche Flittchen, und ich wurden beide rot. Sie, weil sie einen hysterischen Lachanfall bekam und ich, weil ich mich gehörig blamiert hatte. Mir war Maximilians ungewöhnliche Art gleich aufgefallen. Aber klar, jetzt passte alles zusammen. Kein Wunder, dass ...
    ... er nicht versucht hatte, ein Date mit mir klarzumachen. In diesem Moment kam ich mir zum ersten Mal in meinem Leben genauso dumm vor, wie es Sophie tatsächlich war. Kein schönes Gefühl. Tatsächlich bewunderte ich sie ein bisschen dafür, dass sie so gelassen damit umging. Vielleicht hatte sie es selber aber auch noch gar nicht gemerkt. Sie kannte es ja nicht anders.
    
    Der Abend verlief so semi gut. Jannik brillierte als Grillmeister, das Essen und der Wein waren wirklich hervorragend. Die Sache mit Maximilian wurde von Sophie, der boshaften Schlange, noch ungefähr fünfmal erwähnt, aber irgendwann verlor selbst sie den Spaß daran. Vielleicht hatte aber auch der Alkohol im Laufe des Abends ihre letzten zwei verbliebenen Gehirnzellen vernichtet und sie konnte sich an nichts mehr erinnern. Auf jeden Fall bemerkte sie nicht, wie ihr Freund immer hemmungsloser mit mir flirtete. Okay, ich flirtete auch zurück. Aber nur um mich an ihr zu rächen. Die blauen Flecken, die Lara meinem Schienbein zufügte, wenn es allzu heftig wurde, waren es mir durchaus wert. Als Jannik vorschlug, dass wir alle noch einmal zum Nacktbaden an den Strand gehen könnten, stimmte ich nach kurzer Überlegung zu. Die Hoffnung, dass Sophie die Orientierung verlieren und ins offene Meer abtreiben würde, war einfach zu groß. Natürlich war mir klar, dass es ihrem Freund in erster Linie darum ging, mich endlich nackt zu sehen. Aber damit hatte ich kein Problem. Mir ging es andersrum schließlich genauso.
    
    Als ich ...
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