1. Unglaublich (1/6)


    Datum: 19.02.2021, Kategorien: Sonstige, Autor: La. Milu

    ... aus und das Ganze in ein Fensterkuvert. Den Brief würde ich gleich heute Abend bei meinem täglichen Spaziergang im nächsten Briefkasten einwerfen und dann Tee trinken und abwarten. Jedoch war zu bedenken, dass ich sehr wahrscheinlich nichts hören würde oder eine Absage erhalten oder es war im Falle eines unwahrscheinlichen Gesprächs ein Flop. Ich stoppte die negativen Gedankengänge, die meist den schlimmsten Fall Vorwegnahmen. Das richtige Leben bewies das Gegenteil.
    
    An diesem Abend hatte ich Sehnsucht nach Mia und telefonierte kurz entschlossen. Ich ließ es lange klingeln. Ich wollte gerade das "Tüten" unterbrechen als sie endlich abnahm. Sie meldete sich mit leiser Stimme und die Tonlage wechselte, als sie erkannte, dass ich es war. Es machte den Anschein, dass sie außerordentlich erfreut war, von mir zu hören. Unser misslungenes letztes Treffen schien vergessen. Wir plauderten über vieles, es war wohltuend mit ihr zu reden. Es war, wie soll ich es äußern, eine Art Seelenverwandtschaft zu spüren. Ich glaube, ich war, obwohl ich mir dies zu diesem Zeitpunkt keinesfalls eingestehen wollte, über beide Ohren verliebt. Das Gespräch endete damit, dass wir gelegentlich wieder etwas abmachen sollten.
    
    Im Geschäft war es die nächsten Tage extrem hektisch. In dieser Zeit kam heraus, dass ein großer Beitrag erschienen war, der die Persönlichkeitsrechte einer im Artikel erwähnten Person aufs gröbste Verletzte. Da es in meinem Ressort passierte, war ich trotz meines Alibis ...
    ... "Ferien abwesend" verantwortlich. Eine Klageschrift einer der renommiertesten Anwaltskanzleien würde ins Haus flattern. Dies würde dann unsere internen Juristen wochenlang beschäftigen und letztendlich würde die Zahlung eines "Schmerzensgeldes" mit großer Wahrscheinlichkeit fällig werden.
    
    An diesem Abend kam ich wirklich erschöpft nach Hause und leerte als Erstes den Briefkasten. Neben Post meiner Bank und Werbung stach mich ein großer gelblicher Briefumschlag ins Auge. Seit meiner Jugendzeit habe ich die schlechte Angewohnheit die Briefsendungen regelrecht aufzureißen, sodass der Inhalt manchmal sogar Schaden nimmt. Dies machte ich auch an diesem Abend. Treppen steigend und lesend, fasste ich aus dem Inhalt auf, dass es um meine Bewerbung für das Experiment ging. Mittlerweile war ich oben angelangt und öffnete die Haustür. Ich versorgte meine schicke Jacke, holte mir ein Glas Wasser aus der Küche und las den Brief.
    
    Sehr geehrter Herr M., wir haben in der Zwischenzeit ihre Unterlagen eingehend studiert und auch allgemein zugängliche Informationen geprüft. Sie sind für uns der ideale Kandidat. Wir würden Sie deshalb gerne näher kennenlernen und alles weitere besprechen. Auf dem Beiblatt finden Sie Ort, Zeit und einen Anfahrtsplan. Wir werden bei Interesse rund 3 Stunden brauchen, da umfangreiche psychologische Tests notwendig sind.
    
    Freundliche Grüße
    
    Der Termin war erst in einer Woche. Aus einer spontanen Laune heraus telefonierte ich Mia und dieses Mal nahm sie bereits ...