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Lydia 02
Datum: 10.05.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byrokoerber
Überraschung Ingo hatte ein Problem: Seine Lydia war sprachlos und stand, wenn man so dazu sagen kann, etwas neben sich. Genauer ausgedrückt, sie starrte Amara regungslos an. Natürlich hatte das seinen Grund, Ingo hatte ihr doch gerade eine Möglichkeit begründet, die Lydia mehr als unwahrscheinlich vorkam: Amara könnte ihre Schwester sein. Auch Amara war mehr als überrascht, für sie war die Angelegenheit jenseits ihrer Vorstellungen. Immerhin betrachtete sie die inzwischen nahezu hilflos in den Armen von Ingo hängende Lydia noch genauer. Sie erkannte, mit einem hatte Ingo auf alle Fälle recht, die Ähnlichkeit zwischen ihr und Lydia war wirklich verblüffend. Lediglich die Haarfarbe und die Frisur wichen ein wenig ab. Die Griechin trat näher und griff ohne Scheu an Lydias Busen, hob ihn ein wenig hoch und betrachtete das Muttermal dort sehr intensiv. Wirklich, die Form, die eines etwas oben gezackten Eies, war fast identisch, lediglich die Farbe war bei Lydia heller. Selbst dafür hatte Amara eine Erklärung: Die Schwester war wohl weniger in der Sonne, als sie. Ja, sie nannte Lydia innerlich bereits Schwester. Aber es gab noch einen Grund daran zu glauben, den nur Amara kannte: Papa Papandopulus hatte an derselben Stelle das gleiche Muttermal. Konnte der Vater denn so etwas vererben? Inzwischen war auch Lydias wieder aus ihrem Schock erwacht. Sie löste sich aus den Armen von Ingo und wendete sich Amara zu. „Mein Gefühl sagt mir, dass du wirklich meine Schwester ...
... bist. Sag, schnell, wo kann ich unseren Papa finden?", kam es vor Aufregung keuchend von ihren Lippen. „Du kennst ihn schon. Er ist der Direktor des Hotels", antwortete die Schwester. „Ohhh", entfloh es den Lippen Lydias, dann brach sie endgültig ohnmächtig zusammen. Ingo konnte gerade noch verhindern, dass sie hart auf dem Wiesenboden aufschlug. „Ihn zu finden war ihr sehnlichster Wunsch", trug Ingo etwas zur Erklärung bei. „Sie kannte nur seinen Namen. Er weiß gar nichts von ihrer Existenz. Ihre Mutter und er waren nicht verheiratet, als er Hals über Kopf zurück nach Griechenland fuhr. Ein Elternteil war wohl gestorben." „Ach, so war das", lächelte jetzt Amara. „Ich machte mir schon Gedanken, warum ich nichts von einer Schwester wusste." „Nun, so ganz sicher ist das ja noch nicht", lächelte Ingo zurück. „Da müssen wir ihn wohl selbst fragen." „Mhm", murrte Amara etwas. „Das wird etwas dauern. Papa ist heute Morgen nach Athen gereist, zu einer Sitzung der Hotelkette, zu der unser Ressort gehört." „Und wann kommt er wieder?", fragte Ingo. „Erst am Montag. So ein Pech." „Wohnst du denn bei ihm?", kam Ingo eine Idee, während er die ohnmächtige Lydia seitlich auf eines der Handtücher legte und ein weiteres unter ihren Kopf. „Ja, noch immer. Solange ich nicht heirate, wird das wohl auch so bleiben." „Hast du denn einen Freund?", fragte Ingo absolut harmlos. „Nein, nicht mehr", schluchzte Amara plötzlich los. „Der ist vor vier Wochen nach einem ...