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Alles Trainingssache (3)
Datum: 20.06.2021, Kategorien: Insel der Scham, Autor: NicoS
... Zusammensein anzubieten, und wie ich Fallon kannte, wäre sie gern mit von der Partie gewesen. Doch die Frau verabschiedete sie sich und verschwand in der Menge. Zurück blieb eine traurig drein schauende Pat. "Seht ihr's!" meinte sie. "Ich bin nicht verrückt. Das da ..." Sie umfasste die Menge der Hänger mit einer Handbewegung. "... das ist verrückt!" Womit wir wieder so gut wie beim Ausgangspunkt waren. Pat zerriss fast ihr Kleid, als sie es am Durchgang auszog, und schwor, sie werde ihren Körper nie wieder dieser Folter aussetzen ... schon gar nicht in Gemeinschaft mit Menschen, die diese Folter auch noch als Normalzustand betrachteten und einen regelrechten Kult darum machten. Da half auch alles solidarische Bedauern durch Fallon nichts. "Ich werde siebzehn!" stieß Pat irgendwann hervor. "Wenn ihr so einen Blödsinn mit mir hättet machen wollen, hättet ihr's anfangen sollen, als ich sieben war! Damals haben wir als Kinder hinter den Drachenklippen 'Hänger' gespielt. Wisst ihr, da bin ich zwei- oder dreimal fast einen ganzen Tag lang in einem Betttuch herumgelaufen. Danach hätte mir sowas hier wie auf dem Airport vielleicht nichts ausgemacht!" "Tagelang? Davon hast du mir gar nichts erzählt," meinte Fallon. "Naja ... warum auch. Es war ein Spiel! Ein blödes übrigens, wie ich nachher fand. Es wäre mir ... peinlich gewesen ... dass ihr euch vorstellt, wie ich meinen Körper verhülle. Heather und Jenny fanden das toll. Ich glaube, die haben das monatelang ...
... gespielt. Jenny ist ja mit ihren Eltern auch auf die Bahamas gezogen danach. Da war das bestimmt ne gute Übung. Aber für mich ... nie hätte ich mir träumen lassen, dass meine eigenen Eltern mich zu etwas so ... so ... Perversem zwingen würden!" "Pat, jetzt gehst du zu weit," meinte ich, so ruhig ich konnte. Mir war durchaus klar, dass meine Tochter der Sache nach wie vor mit großem inneren Widerstand entgegenblickte, doch dass sie soviel echte Abscheu davor empfand, war mir und auch Fallon nicht bewusst gewesen. "Lass uns jetzt erstmal nach Hause fahren und uns etwas von dem 'Kulturschock' erholen. Dann sehen wir weiter." * * * Für die Heimfahrt nahmen wir wie alle Einheimischen den öffentlichen Bus in die Stadt. Private Autos gab es auf der Insel so gut wie keine, dafür ein gut ausgebautes Busnetz, dessen Nutzung fast nichts kostete. Für die Touristen dagegen gab es Reisebusse, Taxis oder einige wenige Mietwagen; vor allem direkt nach der Ankunft traute sich kaum ein Hänger so unmittelbar ins nackte Getümmel. Ich dachte über die Situation in unserer Familie nach. Patricia quälte sich tapfer mit ihrer Kleidung ab und schien entschlossen, das Training durchzustehen. Doch ihre nach wie vor deutliche Abscheu vor den ungewohnten Stoffhüllen wirkte nicht gespielt. Auch konnte ich einige ihrer Argumente nicht als jugendlichen Trotz abtun. Vor allem die Probleme, die sie möglicherweise in der Schule bekam, wenn ihre Mitschüler ihre tatsächliche Herkunft herausfanden ... laut ...