1. Geliebter Dämon 06: Großer Bruder


    Datum: 28.06.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byPhiroEpsilon

    ... leckte mir über die Lippen.
    
    O Angela, wo soll das schon wieder hinfü
    
    hren?
    
    "Was von Oma gehört?", fragte er aus dem Wohnzimmer, während ich immer noch in der Küche herumtrödelte.
    
    "Letzte Woche haben wir telefoniert", gab ich zurück. "Es geht ihr gut. Sie hat einen neuen Lover."
    
    Peter kicherte. Selbst so etwas konnte seinem Image nichts anhaben.
    
    Oma wohnte in einem traumhaft an einem See gelegenen Seniorenheim und genoss ihren Lebensabend. Jedes Angebot, zu Peter oder mir in die Stadt zu ziehen, hatte sie abgelehnt. Hier hätte sie schließlich auch nicht ihre ständig wechselnden Männerbekanntschaften so einfach mit nach Hause bringen können. Oma war schon eine Marke für sich.
    
    Ich kam zurück ins Wohnzimmer, und da war wieder der Blick. Ich wollte nichts riskieren, also setzte ich mich auf den Sessel, nachdem ich ihm die Bierflasche in die Hand gedrückt hatte, und nicht wie sonst neben ihm auf das Sofa.
    
    "Was ist?", fragte er.
    
    "Habe ich mich wirklich so sehr verändert?", fragte ich zurück. Sein Gehirn schob den Wunsch, sich auf mich zu stürzen, beiseite, um sich mit meiner Frage zu befassen.
    
    Er blickte mir ins Gesicht, auf den Busen und glitt dann langsam immer tiefer. "Nicht so sehr viel", murmelte er. "Aber irgendwie ..."
    
    "Du willst mich", platzte ich heraus. "Im Bett."
    
    Er zuckte zusammen und sein Gesicht verfärbte sich tiefrot. Ja, ja, ja, schrie sein Geist. Will, will, will.
    
    "Wir sind verwandt", fühlte ich mich gezwungen zu ...
    ... bemerken.
    
    "Sind wir nicht", zischte er. "Überhaupt nicht."
    
    Meine Augen wurden groß. "Was?"
    
    "Deine Mutter war
    
    nicht
    
    die leibliche Schwester von Papa."
    
    "Wie kommst du denn darauf?"
    
    "Oma hat mal vor vielen Jahren in ihren Papieren gewühlt und hat sie dann offen liegen lassen. Ich habe die Adoptionsurkunden gesehen. Meine, deine und die deiner Mutter. Sie war schon zehn Jahre alt, als sie in unsere Familie gekommen ist."
    
    Ich starrte ihn nur an. Wenigstens war seine sexuelle Erregung abgeklungen.
    
    "Ihr Name war auch nicht 'Arielle'. Das Dokument, das ich sah, war in Französisch. Und da stand 'Uriel deCiel'."
    
    "Uriel vom Himmel", murmelte ich fassungslos. Das war der Name eines Engels. Uriel, der Erzengel des Winters. "Sie war ein Engel" hat Oma immer gesagt. Mit dem Namen, kein Wunder. "Uriel, Arielle, was soll's", sagte ich. "Für mich bist du mein Bruder. Also kein Familiensex heute Abend."
    
    Mein Versuch, einen Spaß daraus zu machen, ging gründlich daneben.
    
    "Du hast dich verändert. Ganz gewaltig", stellte Peter fest. "Du
    
    siehst
    
    anders aus. Und ich hatte vorher noch nie das Bedürfnis, dir die Klamotten vom Leib zu reißen."
    
    Er blickte mich fragend an.
    
    "Ja", gab ich zu, seine Bemerkung über die Klamotten und seine dahinter versteckten Gefühle tunlichst ignorierend. "Es ist etwas geschehen. Ich verändere mich. Ich weiß nicht, wohin das führt, und ich kann dir nichts erzählen. Noch nicht."
    
    Ich holte tief Luft. "Ich glaube, das Beste ist, wenn du jetzt ...