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Die Insel
Datum: 14.08.2021, Kategorien: Sonstige, Autor: Kastor Aldebaran
... stellen sich in einem Halbkreis hinter die Frauen, die jetzt lauter wurden. Ihre Stimmen, die zuvor noch einen weichen Klang gehabt hatten, klangen jetzt rauer. Ihre vorher ebenso weichen Bewegungen wurden eckiger. Es sah so aus, als wenn Zuckungen durch ihre Körper liefen. Wie zur Antwort grollte der Berg wieder. Ein leichtes vibrieren ließ die kleinen Steinchen auf dem Kraterrand hüpfen und es erklang ein raschelndes Geräusch, was allerdings fast augenblicklich von einem starken Fauchen übertönt wurde. Ebenso hatte sich das glühende Auge auf dem Grund des Kraters vergrößert. Das sah allerdings keiner, denn die Frauen hatten ihre Augen geschlossen und die Männer standen zu weit vom Abgrund weg. Der einzige Unterschied war, dass die Körper der Frauen eine größere Wärmestrahlung traf. Doch sie waren zu sehr mit ihrer Rolle beschäftigt, dass sie es gar nicht bemerkten. Und wenn, dann hielten sie es für den Atem von Rahani. Die ganze Zeit lang standen die Männer mit geschlossenen Augen da und bewegten sich nicht. Nur vom schwachen Licht der Sterne angestrahlt sahen sie eher wie kurze Säulen aus, die um die Frauen standen. Doch das änderte sich jetzt. Wie auf ein geheimes Zeichen hin, begannen sie sich mit einer Hand zu streicheln. Sie strichen über ihre langsam erigierenden Schwänze, die auf die Frauen zielten. Zugleich waren sie so ausgerichtet, dass jeder Schwanz über Kreuz zu einer der anderen Gruppen zeigte. Hätte man jetzt in jeder Richtung einen Strich gezogen, ...
... hätte sich ein spinnennetzartiges Muster ergeben, was den gesamten Krater überspannt hätte. Alles hatte seine geometrische Ordnung um die Göttin des Berges zu erfreuen. Schließlich hatte sie auch die Basaltsteine geformt. Sie mochte es also und man war bemüht ihr zu gefallen. Nicht lange und die Männer standen mit steifen Ruten da, während der Berg fast unmerklich zu leuchten begann. Das Auge aus der Tiefe war wieder größer geworden und das rötliche Glühen wurde intensiver. Es war bereits so hell, dass es schon die Oberkörper der Frauen erreichte. Diese, heller als die sie umgebenden Steine, bekamen einen rötlichen Ton, der sie aufleuchten ließ. Ebenso wurde die Wärmestrahlung intensiver. Doch auch das wurde noch nicht bemerkt. Das Singen der Frauen wurde noch etwas lauter und es veränderte sich in der Tonart. Mehrere raue Laute, die direkt aus den Kehlen der Frauen zu kommen schienen, zerrissen die Nacht. Es klang drängender, flehender als zuvor, vielleicht auch mit einer Spur von Forderung. Dann brach es auf einmal ab und die Frauen verneigten sich in Richtung des Kraters, während die Männer immer weiter ihre Schwänze steifhielten. Sie strichen nur leicht aber regelmäßig darüber. Wieder bebte die Erde. Dies wurde als Antwort gedeutet und die Frauen drehten sich nun einmal um die eigene Achse, sodass sie jetzt mit dem Rücken zum Abgrund knieten. Sie hoben ihre Oberkörper wieder an, streckten diesmal aber ihre Hände nicht gen Himmel, sonder streckten sie nach vorne ...