1. Die Insel


    Datum: 14.08.2021, Kategorien: Sonstige, Autor: Kastor Aldebaran

    ... überhaupt hatte sie das Gefühl, dass alles in ihrem Leben schief gegangen war. Was war sie schon, was hatte sie geleistet? Nicht einmal die Hütte, in der sie wohnte, hatte sie gebaut. Nichts Bedeutendes hatte sie vollbracht. Das Einzige, was sie auszeichnete, war, dass sie groß geworden war. Das hatte nicht jeder geschafft. Aber was fing sie jetzt damit an? Tagein, tagaus ging sie auf das Feld. Und sonst? Sie wusste es nicht. Fragte sich nur immer wieder, ob es das gewesen war. Kam denn gar nichts mehr, außer das sie langsam alt wurde. So würde sogar noch ihr gutes Aussehen vergehen, würde sich klammheimlich verabschieden, dass einzige was sie noch hatte.
    
    Das Wetter der letzten zwei Tage verstärkte alles noch mehr. Ihr erschien alles noch trostloser. Drückte auf das Gemüt. Die Sinnlosigkeit ihres Seins trat ihr vor die Augen. Irgendwas musste sie machen. Es konnte so nicht weiter gehen.
    
    Dann fasste sie einen Entschluss. Wenigstens ihre Schönheit wollte sie nicht hergeben. Sie wollte so bleiben, wie sie war. Entschlossen stand sie auf. Sah sich noch einmal in der Hütte um und stellte fest, dass sie wirklich nichts vermissen würde.
    
    Einen Fuß vor den anderen setzend ging sie wie im Traum in Richtung Strand. Niemand begegnete ihr, alle hatten sich verkrochen und selbst auf den Feldern war nicht ein Mensch. Aber das nahm sie nicht wirklich wahr. Fast mechanisch ging sie weiter.
    
    Am Strand angekommen wendete sie sich zu einer Seite und ging einfach weiter. Wie weit sie ...
    ... gegangen war, wusste sie nicht mehr als ihr wieder in den Sinn kam, warum sie hier war. Fast hatte sie es vergessen.
    
    Die Sonne war gerade untergegangen und die Friedlichkeit des Abends legte sich auf die Insel. Die Sonne war weg. Untergegangen in Wasser. Sie würde schlafen, und wenn sie wieder auf der anderen Seite erwachte, sah sie immer noch so aus wie zuvor. Sie wurde nicht älter. Das Wasser ließ es nicht zu, dass sie älter wurde.
    
    Kisara merkte kaum, dass ihre Füße in das Wasser eintauchten. Spürte nicht, als ihre Beine darin verschwanden. Nicht einmal der weiche Untergrund aus feinem Sand drang bis in ihr Gehirn vor.
    
    Langsam ging sie weiter. Es wurde schnell dunkler und sie ging weiter. Sank tiefer und stand schon bis zur Brust im Wasser. Trotzdem merkte sie kaum etwas davon. Sie wusste nur, dass das Wasser ihre Rettung war. Es würde sie aus ihrer Lage befreien.
    
    Dann stand sie bis zum Kinn im Wasser und hörte es plötzlich hinter sich laut platschen.
    
    Diese Geräusche ließen sie wie aus einem Traum erwachen und sie wollte sich umdrehen, um zu sehen, was es war, als der Boden unter ihren Füßen wegrutschte.
    
    Ihr Traum war zu Ende, ein böser kam dafür über sie. Sie riss die Augen auf, konnte aber nur noch Luftblasen sehen, die aus ihrem eigenen Mund perlten, den sie zu einem lautlosen Schrei geöffnet hatte. Dann packte sie auf einmal etwas und sie meinte, davon in die Tiefe gezogen zu werden. Sie wusste nicht mehr, wo oben und unten war. Nur dass sie dem Griff ...
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