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    Datum: 08.10.2021, Kategorien: Sonstige, Autor: lost_of_mind

    ... Tochter wurde ganz überraschend wieder schlimmer." Er überreichte ihr von hinten mit einer behandschuhten Hand unauffällig ein Faltblatt, einen Werbeprospekt, streifte dabei ihren Oberarm. Ein leichter Schauer vor Aufregung rann ihren Rücken hinab.
    
    "Woher wissen sie...?" Carina wollte sich erneut umdrehen, wollte ihn ansehen, er hielt sie mit festem Griff an der Schulter zum Regal gedreht.
    
    "Sorgen sie dafür dass sich viele Menschen an sie Erinnern. Fragen sie umständlich am Auskunftsschalter nach der Verbindung. Der Schaffner muss lange warten während sie ihre Fahrkarte in der Handtasche suchen. Im Hotel beschweren sie sich erstmal über das Zimmer. Sie wissen was ich meine."
    
    Carina nickte.
    
    "Erzählen sie ihren Nachbarn und Freunden von dem notwendigen Kururlaub und dessen Grund. Nehmen sie ein Taxi vom und zum Bahnhof. Sie hören wieder von mir."
    
    Wie sich Carina dann tatsächlich umdrehte war er weg, samt seinem Einkaufswagen. Wie ein Geist. Fast glaubte sie an eine Einbildung, nur der Prospekt des Kurhotels in ihrer Hand war real. Luftkurort. Wenn der Anlass nicht so bedenklich wäre könnte man sich glatt darüber freuen.
    
    Zuhause wurde die Stimmung immer drückender. Carina spürte selbst die enorme Anspannung ihres Gatten, wenn er denn mal Zuhause war, wie er ihrem Blick und ihrer Gesellschaft auswich. Es war sicher kein schlechtes Gewissen, denn sowas kannte Karl Theodor nicht. Es war als existiere sie in seinem Leben garnicht mehr. Genau so fühlte es sich ...
    ... an. Auch sie selber hatte immer mehr Mühe sich scheinbar offen und unbekümmert zu geben, wo sie inzwischen wusste wie schäbig ihr Gatte die "Scheidung" betreiben wollte.
    
    Carina kontrollierte inzwischen alles. Die Anzahl der Küchenmesser, die Tabletten in der Hausapotheke, wie sie ihr Auto abstellte, wo der Fön lag wenn sie in der Badewanne saß. Nachts schlief sie nicht mehr in einem Raum mit ihm, schlief meist vor dem Fernseher im Zimmer ihrer Tochter ein oder in ihrem Hauswirtschaftsraum auf einer Liege von der Terrasse, mit verschlossener Türe.
    
    Nur Kathrin war wie immer, sie ahnte von alledem nichts. Carina musste ihre Tochter tatsächlich für die Reise ans Meer überreden, denn sie würde in der Schule fehlen. Jeder Tag Zuhause wurde unerträglicher für Carina, das einzige was sie noch aufrecht hielt war die aufrichtige Sorge um ihre Tochter. Und ihre neue Aufgabe, alles ganz genau so zu erledigen wie der Stealthman es von ihr verlangte. Ihr Beschützer.
    
    Zwei Wochen Urlaub für Carina. In dem Moment wo sich der Zug im Ostbahnhof in Bewegung setzte und die Landschaft am Fenster vorbei zog fiel die Anspannung der letzten Wochen zunehmend von ihr ab. Nur Kathrin wirkte noch etwas Missmutig, weil sich ihre Mutter so peinlich und auffällig benahm. Carina machte alles exakt so wie es von ihr gefordert wurde, sie empfand dies als ihre Lebensversicherung.
    
    Stealthman stellt es zwei Tage nach ihrer Ankunft in Italien so an als wenn er Carina und Kathrin rein zufällig auf der ...
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