1. Kunstunterricht


    Datum: 22.11.2021, Kategorien: Kunst, Autor: Jorge

    Es war wieder soweit: der alljährliche Leistungskurs "Nacktheit und Erotik in der Kunst - ein
    
    Streifzug durch die Kulturgeschichte. Mit praktischen Übungen in der Aktmalerei" für den
    
    13. Jahrgang hatte begonnen. Die Kursleitung hatte - wie immer - Frau Dr. Sabrina Stolze. Sie
    
    hatte Kunstgeschichte studiert und war für ihre Lockerheit im Umgang mit dem Thema bekannt.
    
    Frau Dr. Stolze (im Folgenden nur Sabrina) war Mitte 40 und, soweit man wusste, unverheiratet.
    
    Ihr jugendliches Aussehen wurde durch die Kurzhaarfrisur unterstrichen. Ihre Figur war weiblich
    
    üppig, aber den Annäherungsversuchen des männlichen Teils des Lehrkörpers hatte sie bislang
    
    erfolgreich widerstanden.
    
    Es war kein Wunder, dass ihr neuer Kurs einen hohen Andrang hatte. Sabrina wählte unter den
    
    vielen Bewerbungen je 8 Schülerinnen und Schüler aus, denn beide Geschlechter sollten bei diesem
    
    Thema gleich vertreten sein. Alle Teilnehmer mussten über 18 sein, und sie hatte sich in den
    
    Vorgesprächen vergewissert, dass kein vordergründig sexuelles Interesse an der Teilnahme vorlag.
    
    Ausserdem hatte sie nur SchülerInnen ausgewählt, die bereits über sexuelle Erfahrungen verfügten,
    
    wie sie durch geschicktes Fragen herausbekommen hatte. Nicht zuletzt hatte sie aus gutem Grund
    
    darauf geachtet, dass alle Teilnehmer irgendwie zueinander passten.
    
    Für die praktischen Übungen hatte sie weibliche und männliche Modelle bestellt, die mit dem
    
    Honorar ihr Studiengeld aufbesserten. ...
    ... Einmal passierte es, dass ein männliches Modell bei einem
    
    stehenden Akt aus heiterem Himmel eine Erektion bekam. Der Mann wollte sofort mit hochrotem Kopf
    
    das Podest verlassen, zumal einige Schülerinnen bereits leise lachten, wurde aber von Sabrina
    
    zurückgehalten.
    
    "Bitte warten Sie. Dies", und sie wies auf den Ständer des jungen Mannes, "ist das beste
    
    Beispiel dafür, dass Nacktheit nicht vom Geschlecht und auch nicht von der Sexualität immer
    
    trennbar ist. Dieser Mann hat weder Hand an sich gelegt noch ist er von uns in irgendeiner Weise
    
    provoziert worden. Vielleicht ist aus Versehen sein Kopfkino angesprungen oder er hat längere
    
    Zeit keinen Sex gehabt. Wir wissen es nicht, und wir wollen es auch gar nicht wissen."
    
    Zu den Schülerinnen gewandt ergänzte sie wütend:
    
    "Und euer blödes pubertäres Gekicher hat dazu geführt, dass das eingetreten ist, was wir beim
    
    Thema "Nacktheit in der Kunst" vermeiden wollten: falsche Scham. Er schämt sich für seine
    
    Männlichkeit, statt stolz darauf zu sein. Seine Erektion ist ein Kompliment an euch!"
    
    Die Klasse wurde ruhig, die Stunde wurde fortgesetzt und die Erektion verschwand nach wenigen
    
    Minuten.
    
    Es kam jedoch immer wieder vor, dass, obwohl diese Stunden spät angesetzt waren, Schüler unter
    
    fadenscheinigen Vorwänden hereinplatzten, um einen lüsternen Blick auf das nackte Modell zu
    
    erhaschen. So entschloss sich Sabrina, für die weitergehenden Studien ein Wochenendseminar
    
    anzusetzen.
    
    Eine ...
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