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Der Kotzbrocken
Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... Gehen sie zu ihren Eltern, vielleicht können die ihnen unter die Arme greifen." Felicitas ballte vor Wut ihre Fäuste. "Also stimmt es doch, Herr Harting, was die anderen über Sie sagen. Sie sind ganz einfach ein elender Kotzbrocken!" Hans-Werner Harting sprang mit wutverzerrtem Gesicht auf. "Machen Sie dass Sie rauskommen, Sie unverschämte Person, sonst lasse ich Sie vom Werksschutz hinaus führen." Felicitas rannte weinend aus dem Büro, aber nicht ohne die schwere Tür mit voller Wucht zuzuwerfen. Nachdem sie sich wieder etwas beruhigt hatte, ging sie an ihren Arbeitsplatz zurück, aber ihre Gedanken waren nicht bei der Sache. Wie sollte sie ihren Mädchen begreiflich machen, was auf sie zukommen würde. Sie waren doch noch so klein und würden das nicht verstehen. * Hans-Werner brauchte einige Zeit, bis er sich wieder beruhigt hatte. Er wußte um seinen Ruf, aber dass ihn dieses unverschämte Weibsbild einen "Kotzbrocken" genannt hatte, das ging ihm gehörig gegen den Strich. Was bildete sich diese Person eigentlich ein. Er rief an seinem Computer die Daten dieser Person auf und studierte sie gründlich. Dann lehnte er sich in seinem Sessel zurück und dachte nach. Ein nachdenklicher Gesichtsausdruck machte sich breit. Konnte er dieser Frau kündigen, eine Kündigung in die Wege leiten oder irgendwie vorantreiben? Je länger er nachdachte, desto weniger sicher war er sich. Eigentlich hatte er ja außer der Mietrückstände nichts gegen Frau Wagner in der Hand, ...
... schon gar keine Zeugen wegen ihrer Äußerung. Und wenn er trotzdem weiter in diese Richtung intervenierte, dann würde er garantiert Ärger mit der Gewerkschaft bekommen, bei der auch Frau Wagner Mitglied war. Er gab es schließlich auf, weiter über dieses Problem zu sinnieren. Es war alles nur eine Frage der Zeit, bis es sich in Wohlgefallen auflöste. Die Werkssirene erinnerte ihn an etwas. Es war Feierabend. Er überlegte schon, ob er länger bleiben sollte, denn was zog ihn schon nach Hause? Nichts. Gar nichts, rien, niente, nada, nothing. Shit, shit, shit. * Er nahm seine Tasche und verließ das Büro, um zu seinem Auto auf dem Parkplatz zu gehen. Als er an der werkseigenen Bushaltestelle vorbei kam, an der die Mitarbeiter in dichten Scharen auf ihre Busse warteten, sah er plötzlich Frau Wagner einige Meter vor sich. Auch sie hatte ihn erblickt und Panik machte sich in ihrem Gesicht breit. Sie blickte sich gehetzt um, und als er immer näher kam, sprang Felicitas einen Schritt zurück. Sie kam auf der Bordsteinkante auf, ihr linker Fuß knickte um. Sie rutschte ab und fiel nach hinten. In diesem Moment kam der Bus mit ungefähr 20 km/h in die Parkbucht gefahren. Obwohl der Fahrer sofort auf die Bremse stieg, war es zu spät. Das Fahrzeug prallte mit der rechten Vorderseite gegen die linke Körperhälfte von Felicitas Wagner. Sie wurde fast drei Meter nach vorne geschleudert, prallte mit dem Kopf auf den Bordstein und blieb verdreht am Boden liegen. Sie blutete ...