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Der Kotzbrocken
Datum: 10.05.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... erhalten, weil sie schon im dritten Monat mit der Miete im Rückstand war. Nach der Scheidung hatte ihr Ex-Mann sie und ihre beiden Töchter verlassen, war mit allem verschwunden, was von Wert war und war den Zahlungsaufforderungen des Gerichtes für sie und die Kinder nicht nachgekommen. Felicitas war bereits in eine kleinere Wohnung umgezogen, die sie von einem Mitarbeiter von Herrn Harting ohne dessen Wissen zugewiesen bekommen hatte, aber da sie eine ungelernte Arbeiterin war und nicht in Vollzeit arbeiten konnte, war sogar diese kleine Wohnung für ihr geringes Gehalt ohne die Zahlungen ihres Mannes unerschwinglich. Der Mitarbeiter in der Wohnungsabteilung hatte deswegen erheblichen Ärger mit seinem Chef bekommen. So kam es wie es kommen musste. Sie bekam die Panik, als sie sich vorstellte, was ihr der Beauftragte der Betriebswohnungen alles an den Kopf werfen würde, denn seine Gnadenlosigkeit und Rücksichtslosigkeit hatte sie schon bei anderen erlebt. * Ein Summton erklang und die Sekretärin deutete auf die große gepolsterte Tür. Felicitas stand auf, atmete tief durch und betrat das Büro von Herrn Harting. Der saß mit zusammen gekniffenen Augen und gerunzelten Augenbrauen hinter seinem Schreibtisch und deutete wortlos auf einen Stuhl. Felicitas Wagner nahm Platz. "Sie wissen warum sie hier sind?", fragte Harting rund heraus. Keine Begrüßung, kein persönliches Wort. Felicitas begann zu zittern, fasste sich aber dann. "Ja, Herr Harting, das weiß ...
... ich . . . ." "Und was haben sie als Entschuldigung vorzubringen?", kam es donnernd von ihrem Gegenüber, der sich vorbeugte und die Unterarme auf den Schreibtisch legte. "Ich will ja zahlen, Herr Harting", kam es leise von ihr. "Aber mein Mann kommt seinen Verpflichtungen nicht nach den Unterhalt für meine Kinder zu zahlen und mein Lohn reicht so gerade, dass ich und die Kinder über die Runden kommen." "Ach, hören Sie doch mit diesen Ausreden auf. Sie hätten sich schon längst an das Gericht wenden können, um die Zahlungen zu erzwingen." "Das habe ich doch alles versucht. Aber mein Mann ist spurlos verschwunden und niemand weiß wo er sich aufhält. Seine Eltern wissen es nicht und seine Geschwister sind auch ahnungslos. Ich war sogar schon bei der Polizei, aber sogar die konnten mir nicht helfen." "Und was soll ich jetzt mit ihnen machen?" brummte Harting. "Der Firma gehen jeden Monat 450.- Euro an Mieteinnahmen verloren und das können wir uns einfach nicht leisten. Ich werde ihnen zum nächstmöglichen Zeitpunkt die Wohnung kündigen und dann müssen Sie halt weiter sehen." Felicitas saß wie erstarrt auf dem Stuhl. Dann sprang sie erregt auf. "Das können Sie doch nicht machen, Herr Harting. Um Gottes Willen, ich habe doch zwei kleine Kinder und weiß nicht wohin." Tränen liefen ihr über das Gesicht. "Lassen Sie den lieben Gott aus dem Spiel, Frau Wagner. Der kann Ihnen auch nicht weiterhelfen. Sie haben ganz einfach ihr Leben nicht im Griff, das ist alles. ...