1. Polyamorie 02


    Datum: 01.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byBlackHatNCat

    ... ich da an?
    
    Hier steht's 16:32 Uhr.
    
    Zum Glück habe ich die Adresse herausbekommen. Es gab nur einen Treffer in der Personensuche.
    
    Wann hört es endlich auf mit schneien?
    
    Ich muss diesen blöden Koffer durch den Schnee ziehen.
    
    Die Fahrkarte hat fast alles gekostet, was ich habe.
    
    Nur noch 20 Euro im Portemonnaie und gegessen habe ich auch noch nichts.
    
    Ich kann noch einen Schluck Wasser aus meiner Flasche trinken ... Leer!
    
    Soll ich mir am Bahnhof etwas zu essen leisten?
    
    Was ist, wenn das Geld für das Taxi dann nicht reicht? Ich weiß nicht, wie ich sonst zu ihm kommen kann. Ich kenne mich da nicht aus.
    
    Bus oder Bahn?
    
    Der Streit hat mich so wütend gemacht. Ich bin so erschöpft.
    
    Mir blieb nichts anderes übrig, als zu gehen -- ausgerechnet eine Woche vor Weihnachten.
    
    Tolle Familie!
    
    Ich hasse sie. Ich will nichts mehr mit ihnen zu tun haben.
    
    Ich bin müde.
    
    Nicht einschlafen, sonst verpasse ich noch den Ausstieg.
    
    Ich muss wach bleiben. Playlist -- hier ist es -‚Take Me Home' Jess Glynne.
    
    Schönes Lied, das beruhigt mich.
    
    Ich schließe nur kurz die Augen. Dauert ja noch eine Stunde, bis der Zug ankommt.
    
    Ich bin so müde ...
    
    Kapitel 1 -- 'Take Me Home' - Ein Kätzchen für die Familie
    
    Freitag, 16.12.2016, Hannover
    
    Frank
    
    Alles war perfekt.
    
    Wie in jedem Jahr zur Adventszeit verwandelte sich unser Zuhause in ein leuchtendes Weihnachtswunderland. Es stand einem Kaufhaus in nichts nach. Gut, ein wenig überdekoriert, kein ...
    ... Wunder, fast alles, was die Geschäfte hergaben, war auch in unserem Haus zu finden. Es gab Lichterketten und leuchtende Sterne an allen Fenstern und Türen, drehende Pyramiden mit Weihnachtsduft verströmenden Kerzen in jedem Raum. Auf der Kommode im Flur stand eine vollständige Krippe mit allen Tieren und Figuren inklusive Jesuskind. Diese wurde von einem einen Meter großen, leuchtenden Stern von der Wand darüber beschienen. Nicht zu vergessen, die geschätzt tausend kleinen Weihnachtsmänner, Schneemänner, Engel und Wichtel und sonstigen Dekorationen, die an jeder freien Stelle platziert waren.
    
    Außen am Haus trieben wasserfallartige Lichterketten unsere Stromrechnung in die Höhe. Sogar die Bäume im Garten waren mit elektrischen Kerzen behangen. In der Mitte stand wie immer der blinkende Weihnachtsmann in seinem Rentierschlitten und wies dem echten Weihnachtsmann den Landeplatz an.
    
    Das alles hatten wir Lisa zu verdanken. Als Kind wollte sie immer, dass unser Haus das am hellsten beleuchtete in der Gegend war. Sie befürchtete, der Weihnachtsmann würde sie sonst nicht finden und ihre Geschenke nicht bringen können. Auch als sie nicht mehr an den Weihnachtsmann glaubte, ließ sie sich den Spaß nicht nehmen. Mein Engel liebte es, Geschenke auszupacken. Egal ob sie für sie waren oder sie jemanden damit beschenkte, Lisa bekam immer leuchtende Augen. Die Kisten mit Weihnachtsdeko vom Dachboden zu holen, bereitete ihr so viel Freude, dass es jedes Mal selber ein Fest war, wenn Lisa sie ...