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Feuer und Wasser
Datum: 30.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54
... ihn sehen, ob es ihr passte oder nicht. Außer sie nahm einen anderen Weg zur Arbeit, den es wohl gab, wie er festgestellt hatte. Aber sie tat es nicht. Von Arne hatte er erfahren, dass sie in einer Kunststofffabrik etwa 15 km entfernt arbeiten würde. Diese Arbeit würde sie aber nur am Vormittag machen, da ab dem Mittag ihre Tochter von der Schule nach Hause kam. Am Abend hatte sie noch eine Putzstelle in der Bank. Das war ihm noch gar nicht aufgefallen, lag doch seine Pension gleich schräg gegenüber, lustigerweise direkt neben seiner neuen Wohnung. Er beschloß mal am Abend aufzupassen, ob er sie noch einmal zu Gesicht bekam. Nach dem Frühstück ging es an die Arbeit. Er korrigierte das, was er am Abend zuvor verbrochen hatte und brachte es in eine lesbare Weise. Dann schrieb er noch gut zwei Stunden, bevor er in den nahegelegenen Gasthof zum Mittagessen ging. Dort gab es jeden Tag ein anderes Mittagsmenue zu günstigen Preisen und sehr schmackhaft zubereitet. Obwohl er nicht auf jeden Euro schauen musste, lebte er doch sparsam, da er keine großartigen Hobbys hatte. Am Nachmittag saß er im Café bei seinem obligatorischen Cappuccino mit einem großen Glas Wasser, schrieb und wartete klammheimlich darauf, dass Elvira kommen würde. Und das tat sie genau, wie Arne es vorher gesagt hatte. Montags, Mittwochs und Freitags ging sie zum Einkaufen, schaute ihn mit verschlossener Miene an und reagierte nicht auf sein freundliches Nicken. Nun ja, dachte sich Jürgen, das würde ...
... schon noch kommen. Am anderen Tag saß er wieder beim Schreiben und wieder tauchte Elvira auf. Das war doch außerhalb ihrer Routine! Sie hatte zwar einen Einkaufswagen dabei, aber auch vier prall gefüllte Plastiktaschen, zwei Getränkekisten, zwei Kartons mit Lebensmittel und anderen brauchbaren Dingen. Das war doch viel zu schwer für sie und sie brachte die Kartons kaum in den Wagen. Jürgen dachte an seine gute Erziehung, stand auf, nahm ihr das schwere Zeug ab und schob die vollgeladene Karre in Richtung Parkplatz. Er sah ihr Auto und steuerte darauf zu. Wortlos öffnete sie den Kofferraum und er stellte die beiden vollen Kartons und die schweren Getränkekisten hinein. Elvira hatte inzwischen die Taschen auf den Rücksitz gewuchtet. Während der ganzen Zeit hatten die beiden kein Wort miteinander gewechselt. Jürgen wünschte ihr einen schönen Nachmittag und schob den Einkaufswagen zu den anderen. Für die Wagen brauchte man bei dieser Supermarktkette keine Chips oder Münzen und so konnte er leider nicht noch einmal zu ihr gehen, um ihr die Münze zu geben. Er drehte sich noch einmal um und sah sie immer noch reglos neben ihrem Auto stehen und zu ihm herüber starren. Mochte sie sich über sein Verhalten ruhig ihre Gedanken machen. * Die nächsten zwei Monate würde er weg sein, seinen Umzug vorbereiten und alles andere, wie seine Arbeit mit dem Verlag umstellen. Auch die ganzen Behördengänge würden einige Zeit in Anspruch nehmen. Dann würde er seine spärlichen ...