1. Feuer und Wasser


    Datum: 30.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... musste weh tun. Kurz vor Sechs lief er los, erst langsam, aber dann steigerte er sein Tempo soweit, dass er es eine knappe Stunde durchhalten konnte. Aber nach 45 Minuten war der Dampf draußen und die Luft wurde ihm knapp. Sein Herz raste, seine Lungen brannten und Elvira geisterte immer noch durch sein Bewusstsein. Er setzte sich auf seine Mauer und kam langsam wieder zu Atem.
    
    Ein Blick auf seine Uhr zeigte ihm, dass sie gleich auftauchen würde. Und schon sah er ihr Auto auf die Hauptstraße einbiegen und Tempo aufnehmen. Als sie in seine Nähe kam, ging sie vom Gas und lies das Fahrzeug nur noch rollen, so dass sie auf seiner Höhe fast nur noch Schritttempo hatte.
    
    Ihre Blicke trafen sich und brannten sich fest. Sie blickte ihn dermaßen intensiv an, als wollte sie bis auf den Grund seiner Seele schauen, um zu ergründen, was seine wirklichen Gründe für sein Verhalten waren.
    
    Ob sie fand, was sie gesucht hatte, konnte er nicht sagen, aber dann nickte sie ihm zu, lächelte leicht, hob auch noch die Hand zum Gruß und lies einen vollkommen verwirrten Jürgen zurück.
    
    Etwas betröppelt ging der wieder nach Hause, schlief fast vor lauter Träumereien unter der Dusche ein und schrieb dann mit vielen Unterbrechungen die nächsten zwei Stunden „Bannister´s Erwachen" fertig. Dieses Machwerk schickte er, nachdem er endlich einmal seinen neuen Computer eingeschaltet hatte, per Mail an den Verlag. Den Entwurf von seinem ersten Roman und einen vorläufigen selbst gesetzten Abdruck ...
    ... fügte er als Datei hinzu. Was sollte schon schiefgehen, es war ja nur ein Versuch und der war es wert.
    
    Dann holte er sich im Markt zwei Leberkäsesemmeln, denn das Mittagessen würde ausfallen, lies sie sich von Christina in eine Tüte packen und verspeiste sie auf dem Weg zum Eisiglu und zu Arne. Der Weg war nicht weit und so ging er sehr langsam, denn er wollte nicht mit vollem Mund und Hamsterbacken zu seinem Cappuccino auftauchen. Er kam bei Arne an, gerade als er mühsam den letzten Bissen trocken hinunter gewürgt hatte.
    
    Arne brachte ihm schon seinen Cappu und Jürgen bestellte sich gleich noch eine kleine Flasche Mineralwasser, die er in einem Zug leerte. Dann atmete er tief durch und schon ging es ihm wieder besser.
    
    Arne betrachtete ihn amüsiert und fragte: „Na, wie war deine Begegnung mit Vira? Hat sie dich gestern Nachmittag etwas aus der Bahn geworfen?"
    
    Also, entweder war Elvira schon am Abend bei Arne gewesen und hatte gebeichtet, oder die Buschtrommeln hatten ihm etwas vorgesungen. Er hatte jedenfalls nichts gehört.
    
    „Keine Sorge, Jürgen, sie war gestern noch bei mir und hat sich mal wieder vieles von der Seele geredet. Ich bin halt so eine Art Kummerkasten für sie. Was ich dir jetzt sage, hast du nicht von mir. Sie war bei uns gesessen, hat sich die Seele aus dem Leib geheult und Melanie musste ihr die Hand halten und sie trösten. Sie weiß weder ein noch aus. Sie redet fast nur von dir, will aber nicht mit DIR reden. Irgendwann müsst ihr aber miteinander ...
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