1. Feuer und Wasser


    Datum: 30.06.2022, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byarne54

    ... an die Theke, nur um Sie bedienen zu können. Ein Kleinkind könnte nicht besser bemuttert werden. Und wenn Sie wieder weg sind, dann heißt es - Herr Reissner hier, Herr Reissner da, und hast du gesehen, wie er mich angeschaut hat? - Manchmal ist sie schlimmer wie ein pubertierender Teenager."
    
    Jürgen lachte vor sich hin, während er der Erklärung von Maria zuhörte.
    
    "Na, wenigstens sind Sie diesem Alter schon entwachsen, nicht wahr, Frau Eckhardt?"
    
    Mit Erstaunen registrierte Jürgen, dass Maria leicht errötete und verlegen den Tresen abwischte.
    
    "Ich hab noch zu tun", meinte sie entschuldigend und verschwand ebenfalls in der Backstube.
    
    Wie gerne wäre Jürgen jetzt ein Mäuslein gewesen und hätte dem Getuschel der beiden lauschen können.
    
    Was hatte er denn da losgetreten?
    
    Er nahm seinen Kaffee und das Tablett mit dem Frühstück, setzte sich auf seinen Platz und begann genussvoll den noch warmen Semmel mit Butter und Marmelade zu bestreichen. Er lies sich Zeit damit, beobachtete das geschäftige Treiben an den vier Kassen des Marktes, winkte ein paar Bekannten zu und hielt einen kurzen Plausch mit Patrick, der noch für das Wochenende einkaufte.
    
    Zufrieden und satt saß Jürgen nach seinem Frühstück entspannt auf seiner Bank, schaute dem emsigen Hin und Her im Markt zu, es war ja schließlich Samstag und morgen war zu, da musste man heute noch einmal ordentlich die Vorräte auffüllen. Bis Montag war es lang hin.
    
    Jürgen bedauerte es fast, dass er sein Laptop ...
    ... zuhause gelassen hatte, denn diese kleine Episode war es wert, festgehalten zu werden. Aber noch war er in der Lage sich etwas zu merken.
    
    Carina kam dann doch wieder von hinten hervor, denn es waren eine Menge Kunden zu bedienen, hatte sich aber entschlossen, Jürgen die kalte Schulter zu zeigen. Sie konnte es sich aber nicht verkneifen, ab und zu einen prüfenden Blick zu ihm zu werfen.
    
    Jürgen hatte massive Schwierigkeiten, nicht pausenlos zu grinsen, aber ein Dauerlächeln konnte er nicht unterdrücken. Und jedes Mal wenn Carina zu ihm schaute, dann zeigte er ihr sein schönstes Lächeln. Was sie von Mal zu Mal mehr verunsicherte und verwirrte.
    
    Aber Jürgen war selber verwundert. Was er jetzt und hier machte, das hatte er vorher noch nie gemacht. Seine angeborene Schüchternheit hatte dies verhindert. Dieses Dorf und seine Einwohner, ganz besonders eine, hatten ihn versaut. Pfui, Jürgen, schäme dich.
    
    Aber es gefiel ihm und er fühlte sich sauwohl.
    
    Ein kurzer Blick auf seine Uhr zeigte ihm, dass es Zeit war zu gehen. Er räumte sein Geschirr in den Schrank, nahm seine Tasche, winkte den Damen von der Bäckerei zu und verließ das Café.
    
    *
    
    Er kam gerade recht, als Arne die Eisdiele aufsperrte. Der schaute gen Himmel und meinte: „Na, ob das heute was wird? Es sieht gar nicht so gut aus? Mel? Machen wir heute mal nicht so viel Eis. Ich glaube, eine Lage reicht. Es riecht nach Regen."
    
    Wie Arne das riechen konnte, das war Jürgen nicht ganz klar. Konnte man riechen, ob es ...
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