1. Mit dem Rolli ins Glück


    Datum: 08.09.2022, Kategorien: Romantisch Autor: Plautzi

    ... motivieren und mich aus meiner Lethargie zu reißen. Er zerrt mich an die frische Luft, und er sorgt dafür, dass ich meine Sportstunden regelmäßig wahrnehme. Ginge es nach mir, würde ich sicher längst nicht mehr hingehen.
    
    Seine Zivi-Zeit endet (leider aus meiner Sicht) bald, danach möchte er Informatik studieren. Ein Dummkopf ist er nicht, der schafft das. Ich werde mich wohl oder übel an einen neuen Betreuer gewöhnen müssen. Nächste Woche bringt er seinen Nachfolger das erste Mal zur Einweisung mit. Natürlich dient das Ganze auch der Tatsache, dass wir uns als Menschen aneinander gewöhnen sollen.
    
    Heute ist es mal wieder soweit. Den ganzen Tag schon bin ich ungnädig. Unzufrieden mit mir selbst. Schlecht gelaunt und unfair in meinen Antworten auf die Fragen, die Fips mir stellt. Er erträgt das klaglos. Wo nimmt er nur immer diese stoische Ruhe her. Manchmal macht mich selbst seine Ruhe rasend.
    
    Er weiß genau, ich kann mich nicht wehren, wirft mir einfach eine leichte Jacke um die Schulter. Ich werfe sie wieder in den Flur. "Na gut, dann eben nicht." zuckt er kurz mit den Schultern und schiebt mich über den Hof zu meinem Auto. Er bugsiert mich auf den Beifahrersitz und wirft die Tür zu. Er kennt mich gut genug um zu wissen, dass ich meine lädierten Knochen rechtzeitig aus der Schusslinie der schweren Autotür nehmen würde, bevor sie schwungvoll ins Schloss fällt.
    
    Im Park ist es mit dem Rollstuhl auf den gut befestigten Wegen kein Problem auch etwas längere Strecken zu ...
    ... schaffen. Meine Oberarme sind mittlerweile ganz gut trainiert, und Fips hört einfach auf zu schieben. Er zwingt mich, mir selbst Bewegung und Training zu verschaffen.
    
    Nun sitze ich hier am Ententeich im Park und werfe Stück für Stück altes Brot in das Wasser, wo es sofort gierig von einer Wolke Vögel aufgenommen wird. Um Abwechslung in dieses doch langweilige Unterfangen zu bringen, werfe mal links mal rechts, dann wieder etwas weiter weg. Und wenn wieder ein Brocken auf die Oberfläche trifft, setzt wildes Flügelschlagen ein, das in einer ordentlichen Schlacht ums "kalte Buffet" endet.
    
    Das Wetter ist sonnig und warm. Der Frühling meint es mal wieder richtig gut mit uns. Eltern üben mit ihren Kleinen das Radfahren, überall Spaziergänger, E-Biker, Inliner, und nicht zuletzt eine Horde mehr oder weniger gut trainierter Jogger, versuchen die Grenzen ihrer Kondition auszuloten.
    
    Ich würde auch gern joggen. Darin war ich mal ganz passabel und konnte sogar den einen oder anderen Halbmarathon in meiner Altersklasse gewinnen. Tja... nun sitze ich hier in meinem Shopper mit angezogener Handbremse um nicht ins Wasser zu rollen, und nehme das rege Treiben hinter mir kaum war. Zu sehr bin ich mit meinen Gedanken woanders. Vielleicht sollte ich die Handbremse lösen, dem Drama der Zukunft entfliehen und dem Ganzen ein Ende setzen? Niemandem zur Last fallen, besonders mir selbst nicht. Geistesabwesend zupfe ich die Brotscheiben auseinander, und werfe schon fast automatisch.
    
    Immer ...
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