1. Die Hand


    Datum: 11.10.2022, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byKarottalotta

    Inspiriert von MagnoliaS - Die Schändung.
    
    "Meine Damen und Herren, in wenigen Minuten erreichen wir München Hauptbahnhof auf Gleis 4, nächster Halt ist München Hauptbahnhof. Ihre Umsteigemöglichkeiten..." Mel klappt erleichtert ihren Laptop zu. Es ist der Abend des ersten Januar - Neujahr - und sie sitzt mit einem mittelschweren Kater seit Stunden im völlig überfüllten ICE. Die Zugfahrt war ihr ewig lang vorgekommen. Sie hat letzte Nacht nur zwei oder drei Stunden geschlafen und ist total erschöpft. Sie sieht auf die Uhr und beginnt langsam, ihre Sachen zusammenzupacken. Es würde noch mindestens zehn Minuten dauern, bis der Zug den Bahnhof erreicht, aber weil der Zug so voll ist, möchte Mel lieber an der Tür warten. Sie steht auf, zieht ihre Jacke an, schnappt sich ihren Koffer und tritt aus ihrem Abteil in den Gang hinaus.
    
    Na super, vor der Zugtür am Ende des Ganges hat sich schon eine Menschentraube gebildet. Mel macht noch ein paar Schritte durch den Gang, lehnt sich dann an die Wand des nächsten Abteils, steckt sich die Kopfhörer in die Ohren und macht Musik an. Ihr Mix der Woche dröhnt los - Techno, was sonst. Es ist stockfinster draußen und sie sieht nur ihr eigenes Spiegelbild in der Scheibe. Sie trägt ein Kleid über einer Leggins. Das bequemste Zugfahroutfit, findet Mel. Sie denkt daran, dass sich in ungefähr einer halben Stunde gemütlich auf ihr Sofa legen und sich eine Pizza bestellen wird. Katerstimmung eben.
    
    Neben ihr öffnen sich mehrere Abteiltüren ...
    ... gleichzeitig. Mel tritt noch ein Stück näher Richtung Zugtür, um Platz zu machen. Nach und nach kommen immer mehr Leute aus den Abteilen und aus dem angrenzenden Wagen. Es wird zunehmend eng in dem schmalen Gang. Mel ist das egal, sie möchte einfach schnell nach Hause. Sie lehnt sich mit der Schulter wieder gegen die Wand des Abteils, schließt die Augen und träumt von der Silvesterparty in der letzten Nacht. Es war eine großartige Party. Viel Sekt, Techno, Tanzen. Und auch ein bisschen Knutschen und Fummeln. Sie hat auf der Party einen wirklich tollen Typen kennengelernt. Erst hatten sie zusammen an der Bar Pfeffi getrunken, dann getanzt und sich schließlich geküsst. Ihre Hand an seinem Nacken, seine Hand an ihrem Po,... Mel muss sich unwillkürlich auf die Lippe beißen bei der Erinnerung daran und sie spürt ein angenehmes Ziehen in ihrem Unterleib.
    
    Viel mehr war nicht passiert, aber sie hatten Nummern ausgetauscht und sie würde ihm heute Abend noch schreiben, ob er nicht mal Lust hätte sie in München zu besuchen... oder sollte sie lieber bis morgen warten?
    
    Von hinten stolpert jemand gegen ihren Koffer und unterbricht damit ihre Schwärmerei. Genervt tritt Mel noch einen Schritt nach vorne, obwohl dort kaum noch Platz ist. Ihren Koffer stellt sie neben sich. Dann schließt sie wieder die Augen und versucht, noch mal in ihren Tagträumen zu versinken....
    
    .....ein plötzlicher Ruck weckt Mel auf. Als sie die Augen öffnet, ist es draußen immer noch düster, kein Bahnhof in Sicht. ...
«1234...»