1. Noch keine neunzehn


    Datum: 16.12.2022, Kategorien: Sonstige, Autor: Linette

    ... wir Mädchen nebeneinander auf der Bettkante saßen, unsere Beine öffneten und die beiden vor uns knieten. Soll noch mal einer sagen, Not macht nicht erfinderisch.
    
    Das waren aber alles immer nur kurzfristige Erlebnisse. Einen richtigen, echten Freund hatte ich zu der Zeit nicht. Mein neunzehnter Geburtstag nahte. An der Uni gab es einen sogenannten Gastdozenten, der einmal die Woche Vorlesungen abhielt. Es war das Fach Statistik, und es war mein ehemaliger Klassenlehrer, der auch Mathe unterrichtet hatte. Ich hatte damals meistens eine fünf in Mathe. Beim Abi hat er ein Auge zugedrückt und mir eine vier gegeben, sonst hätte ich das Abi nicht bestanden.
    
    Er hatte mich sofort wiedererkannt. Jede Woche einmal nachmittags kam er zu unserer Uni gefahren. An einem dieser Nachmittage kam er nach der Vorlesung auf mich zu und begrüßte mich fröhlich: "Schön, sie wiederzusehen." Er lud mich sogar zu einem Kaffee in die Cafeteria der Mensa ein. Ein Jahr lang war ich nun schon der Schule entflohen, und jetzt holte mich die Vergangenheit wieder ein. Er war, glaube ich, dreiunddreißig, wenn ich das richtig wusste. Verheiratet war er bisher nicht, wie ich ebenfalls wusste, obwohl er sehr gut aussah. Es gibt Männer, die sich lieber auf dem freien Markt umtun. Dazu gehörte er offensichtlich auch. Sein Name war Doktor Martin Biermann, sonst hätte er nicht als Gastdozent an der Uni referieren können, wenn er nicht promoviert hätte. Es handelte sich also nicht nur um einen gut aussehenden ...
    ... sondern auch um einen intelligenten Mann. Zudem war er immer freundlich und gut gelaunt. Intelligente Männer, die gut aussehen, wissen, wie sie eine Frau um den Finger wickeln können. Martin fing an, mit mir zu flirten. Er machte das geschickt und nahezu unauffällig. Eine kleine Bemerkung hier, eine kleine Bemerkung da, und immer nur ganz am Rande. "Haben Sie sich gut eingelebt, fühlen Sie sich einsam", sei als Beispiel angeführt. Es war unaufdringlich, es war einfühlsam. In der folgenden Woche lud er mich wieder zum Kaffee ein. Ich gewöhnte mich nicht nur daran, es war mir angenehm. Es war eine Abwechslung im täglichen Einerlei.
    
    Mein neunzehnter Geburtstag kam unweigerlich, und meine Zimmergenossin organisierte eine Fete in einer Studentenkneipe. Alle unsere Kommilitonen und Freunde waren gekommen. Es waren zwanzig oder sogar dreißig Leute, und jeder zahlte für sich selbst, denn das hätten meine Freundin und ich ja finanziell gar nicht wuppen können. Die Stimmung stieg von Stunde zu Stunde. Natürlich machten die Männer mit uns Mädchen rum, und als Geburtstagskind hatte ich die freie Auswahl. Ich suchte mir ein Schmuckstück heraus. Groß, schlank, gut gebaut und immer einen Spruch auf den Lippen.
    
    Es ging bis um zwei Uhr nachts, dann verabschiedeten sich langsam alle. Ich angelte mir mein Schmuckstück und schleppte ihn in unsere Studentenbude ab. Auch meine Freundin hatte sich einen gegriffen. Diesmal landeten wir im Zimmer meiner Freundin zu viert. Ihr Zimmer war etwas ...
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