1. Das Aschenputtel


    Datum: 28.06.2023, Kategorien: Sonstige, Autor: lost_of_mind

    ... erigiert da mich trotz warmer Wohnung ein wenig fröstelte. Doro sagte nichts, lag nur vom wärmenden Bademantel bedeckt gemütlich auf einem Ledersack, beobachtete mich aufmerksam, hielt es nicht mal nötig den Tisch zu decken.
    
    Erhob sich erst als fertig serviert war, zog meinen Bademantel an, der ihr etwas zu weit und zu kurz war und setzte sich mit an den Tisch. Schnupperte genüsslich am Teller, begann eilig mit vollen Löffeln in sich zu Schaufeln. Vor dem Fenster wurde es Dunkel, leise spielte Musik im Hintergrund, zwei Frauen aßen schweigend. Die eine mit Elan, die andere spärlich und Nachdenklich.
    
    "Ich geh dann jetzt mal! Danke fürs Essen!" Bevor ich Begreifen konnte sprang Doro auf, sammelte ihre Bekleidung und Rucksack zusammen,
    
    gab mir einen Kuss auf die Backe und zog in meinen Bademantel gehüllt schon die Wohnungstüre hinter sich zu. Verwirrt und verfroren versuchte ich mir klar zu werden was das eben war, beschloss mich etwas in der Badewanne aufzuwärmen. Während das Wasser in die Wanne rauschte räumte ich noch schnell das ganze Geschirr in die Spülschüssel zum Einweichen, bevor ich mich selber in das heiße Wasser hinein sinken ließ, ebenfalls zum Einweichen. Was für ein Tag! Von Null auf 100 und jetzt ebenso schnell wieder auf Null. Wo sollte das hin führen?
    
    Die nächsten Tage hörte und sah ich nichts von Doro, nur der Bademantel baumelte in einer Plastiktüte außen an meiner Wohnungstüre, als ich mir am folgenden Morgen frische Brötchen zum Frühstück ...
    ... holte. Genauso froh war ich dass wir die Apotheke zwischen den Feiertagen offen hatten.
    
    Ablenkung, eine Aufgabe, normalität im Leben, die Zeit verging kurzweilig mit vielen Kunden. Als am Abend Ruhe einkehrte begann ich mich zu Sehnen. Nach Dorothea. Erst leise, einfach wegzuschieben. Jeden Abend jedoch mehr, sehnsüchtiger, emotionaler. Ich war verunsichert. Sollte ich mich melden? Oder besser warten? War etwas Abstand gut oder der Kontakt besser? Nichts passte mehr zusammen.
    
    Manche Entscheidungen werden einem im Leben abgenommen, als Doro an Sylvester 5 Minuten vor Ladenschluss an Mittag plötzlich in meiner Apotheke stand. "Huhu Sonja!" Wie ein Wirbelwind schneite sie herein, wie immer mit Lederjacke, unordentlichen Haaren, unvorteilhafter Brille, Cowboystiefeln und langem fleckigem Rock. Meine beiden Kolleginnen waren bereits gegangen und ich bediente die letzten Kunden, aufmerksam beobachtet von Doro. Dann schloss ich ab.
    
    "Hallo!" "Hallo!"
    
    Sie küsste mich flüchtig auf den Mund, ein Schauer voller Glück rann über meinen Rücken. "Was machst du hier, Doro? Hättest du etwas gebraucht?"
    
    "Ja, Dich Sonja!" Dieses entwaffnende Lächeln erschauerte mich abermals. "Komm Sonja, mach hinne, wir haben noch etwas zu Besorgen!" Mein Blick muss wohl eindeutig fragend gewesen sein, denn sie ergänzte: "Baaaddeeeanzuuug! Oder hast du schon einen?"
    
    "Ähm, Nein!" Ich war etwas Verwirrt. "Wo soll ich mitten im Winter einen Badeanzug her bekommen?"
    
    "Na in dem Wäschegeschäft, wo wir ...
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