1. 1996


    Datum: 21.08.2023, Kategorien: 1 auf 1, Autor: Zaphod

    ... mir stehen und mir gerade den Sinn für die Realität mit einem Ziegelstein aus dem Schädel prügeln. Alles war so unreal real. So hier und da gleichzeitig.
    
    Meine Hand glitt vom Türgriff zum Schlüssel und verriegelte die Tür.
    
    Ich umfasste sie, umarmte sie als wäre ich Ertrinkender.
    
    Unsere Lippen lagen aufeinander, unsere Zungen tanzten einen sanft wilden Reigen.
    
    Neuronen zertrümmerten mir nicht nur mein Hirn sondern auch meine Schädeldecke.
    
    In diesem Moment wurde mir klar, dass wenn sich alles wieder zusammenfügen wird, sich die Welt verändert haben wird.
    
    Ich schob sie vor mir her, weg von der Tür, es ging wieder zurück in Richtung Schreibtisch.
    
    Wie von selbst schoben meine Hände ihre Jacke von den Schultern, ließen sie achtlos zu Boden fallen.
    
    Wie selbstverständlich wischte eine Hand den Schreibtisch leer.
    
    Schwebte sie auf den Tisch?
    
    Waren das ihre Hände, mein Hände? Keine Ahnung wer oder wie uns die Kleidung vom leib entfernt hat, jedenfalls waren wir irgendwann nackt, ich sah ihren wunderschönen Körper, fühlte ihre sanfte Haut, schmeckte sie und roch an jedem ihrer wundervollen Quadratmillimeter.
    
    Ich spürte wie ihre Hände mich berührten, ihre Lippen meinen Körper küssten.
    
    Wie fern ist die Welt?
    
    Wo ist das Leben in solchen Momenten?
    
    In jedem Atemzug, in jeder Pore, in jedem Atom!
    
    Später, viel später kehrte ein Splitter der alten Realität wieder.
    
    Schwach, sehr schwach ließ er sich noch erkennen.
    
    Glücklich, leicht und neu ...
    ... fühlte ich mich, allerdings mit diesem Gefühl in mir das nun nichts mehr sein wird, wie es war.
    
    Und als ich in ihre Augen sah, erkannte ich, dass es ihr wohl genauso ginge.
    
    "Was nun?" fragte sie.
    
    Ich lächelte sie an, drückte ihr eine sanften Kuss auf ihre Lippen.
    
    "Nicht wird jemals wieder sein was es war. Nicht für mich," antwortete ich.
    
    Zustimmend nickte sie.
    
    Hier war etwas passiert. Etwas Welt bewegendes. Eine neue Welt wurde geschaffen und zwei alte dafür zerstört.
    
    Mit Schmerzen im Bauch verließen wir das Büro und für, jeder für sich, nach Hause.
    
    Ich öffnete die Tür, sah dieses Gebilde, das sich "mein altes Leben" nannte, ging direkt ins Schlafzimmer und packte einige Sachen zusammen.
    
    Ungläubige Blicke starrten mich an, unfähig auch nur ein Wort über ihre Lippen zu bekommen.
    
    Die Kinder waren auch stumm als ich ihnen erklärte das ich nun gehen werde und das ich für sie sorgen würde, immer für sie da sein werde und mich darum bemühen würde sie zu mir zu holen.
    
    Ich griff nach meiner Tasche mit den paar Habseligkeiten.
    
    "Den Rest hole ich später mal ab, oder schmeiß ihn einfach weg," bemerkte ich noch beim Verlassen "meines alten Lebens".
    
    Die Nacht im Büro war ungemütlich, leer und einsam. Gefüllt von Erinnerungen des Tages, von einem Meer an Gefühlen und Wahrnehmungen. Keine Sekunde war an Schlaf zu denken, keine Sekunde war der Kopf frei genug zu arbeiten.
    
    Langsam quälten sich die Minuten durch die Dunkelheit der Nacht.
    
    Um acht Uhr ...