Weihnachten zu dritt
Datum: 01.10.2018,
Kategorien:
Romane und Kurzromane,
Autor: byAldebaran66
... und als sie den Hörer abhob, erklang der das gewohnte Freizeichen.
Wenigs später hatte sie einen Termin mit dem Fahrer abgemacht, der sofort wusste, wer sie war. Vielleicht bekam er die Rufnummer übermittelt.
Schon am nächsten Tag wurde sie abgeholt und konnte sich in der Stadt mal wieder richtig umsehen. Sie war schon lange nicht mehr dort gewesen und genoss es unheimlich, die Geschäfte zu durchstöbern. Jetzt, kurz vor Weihnachten war viel los, aber das störte sie nicht. Im Gegenteil. Der Trubel tat auch Mal wieder gut. Sicher, draußen auf dem Hof war es auch wunderschön, aber als ein Kind der Stadt musste sie dieses Gewühle wenigstens ab und zu einmal haben.
Dabei ging es nicht darum, Geld auszugeben, wozu sie die Karte berechtigt hätte, die sie bei sich trug, sonder einfach in der Masse zu schwimmen. Sie kaufte trotzdem noch etwas für Heinrich und Fritz, obwohl es schwer war, denn eigentlich hatten die beiden schon alles. Jedenfalls war ihr nichts bekannt. Wenn sie etwas brauchten, dann bestellten sie es sich einfach oder fuhren los es zu kaufen.
Irgendwann ging ihr dann das Bad in der Menge doch auf die Nerven. Ein paar Stunden waren etwas Tolles, aber genau genommen, vermisste sie schon wieder die Ruhe des Hofs. Sie hatte nicht gedacht, dass man sich so schnell daran gewöhnen könnte. Mit einem Grinsen im Gesicht musste sie sich selber eingestehen, dass sie sich langsam in ein Landmädel verwandelte. Hätte man ihr das noch vor wenigen Wochen gesagt, sie ...
... hätte laut darüber gelacht. So konnte man sich ändern.
Die letzte Stunde bis sie wieder abgeholt wurde verbrachte sie damit, in einem Kaffee zu sitzen und die Menschen zu beobachten. Das hatte sie schon immer gerne gemacht und auch jetzt gefiele es ihr außerordentlich gut. Dabei betrachtet sie besonders die Männer, die in etwa in dem Alter von Fritz und Heinrich sein mussten, und gestand sich ein, dass sie diese inzwischen wesentlich attraktiver fand, als sie jemals gedacht hätte. Es war eine Gruppe von Männern, die sie zuvor nicht eines einzigen Blickes gewürdigt hatte.
Sie waren dreißig oder mehr Jahre älter als sie und entsprachen keinesfalls ihrem Beuteschema. Einmal davon abgesehen, dass sie sich sehr lange nur auf Thomas fixiert hatte und keinen anderen wirklich wahrgenommen hatte. Jetzt kam es ihr wie eine Dummheit vor. Immerhin bereicherte diese neue Sichtweise die Bandbreite ihrer Gedanken. Sie hatte eines erst jetzt begriffen. Alter spielte eigentlich keine Rolle. Man musste den oder die anderen mögen, das war der entscheidende Punkt.
Dann verglich sie Heinrich und Fritz mit den anderen und sie war mit den beiden zufrieden. Sie sahen in ihren Augen besser aus als sie meisten, die sie zu Gesicht bekam. Keine Traummänner, sicher, aber Männer aus Träumen blieben auch immer diese. Es gab sie real nicht. Vielleicht war es auch gut so. Mit dem Wissen, das es dort draußen vielleicht immer noch etwas Besseres gab, blieb es immer interessant. Allerdings hatte Angelas ...