Weihnachten zu dritt
Datum: 01.10.2018,
Kategorien:
Romane und Kurzromane,
Autor: byAldebaran66
... geschmeckt und von daher konnte sie kein Lob darüber hervorbringen. Heinrich hatte keine Schuld deswegen, denn er konnte ja nichts dafür, dass sie zu viel getrunken hatte. Er sah sie mit einer Mischung aus Mitleid und Belustigung an. Da Angela in diesem Moment noch nicht wirklich gut drauf war, streckte sie ihm ihre Zunge entgegen. Es änderte aber nichts daran, dass ein amüsiertes Gesicht machte. Im Gegenteil. Seine Mundwinkel verzogen sich noch weiter nach oben und seine Augen strahlten. Dabei hatte er am Abend auch recht viel getrunken. Warum es ihm anscheinend nicht so viel ausmachte, konnte sich Angela nicht erklären und empfand es als ungerechte Strafe ihr gegenüber.
„Du sagtest, es wäre ein Jul-Fest gewesen!", sagte Angela auf einmal, da ihr die andauernde Stille auf die Nerven ging, „was ist das?"
Heinrich sah sie einen Moment an erklärte aber dann: „Eigentlich ein keltisches Fest. Es wird immer zur Wintersonnenwende gefeiert und symbolisiert den Wechsel der Jahreszeit zum Frühling hin. Die Tage werden ab dann wieder länger und man gedenkt der Erneuerung des Lebens. Man besinnt sich auf die Regeneration der Erde, die sich in dieser Zeit neue Kraft für das Kommende holt.
Dies ist auch der Grund, warum man früher Weihnachten auf den Tag der Wintersonnenwende legte. Die Kirche versuchte damit, das Gedenken an dieses heidnische Fest zu überlagern. Genauso wie man es zum Beispiel mit Ostern tat. Christus wurde nicht im Dezember geboren, das wusste man auch, aber ...
... es passte einfach gut ins Bild.
Nun wirst du sagen, dass doch Heiligabend und Weihnachten gar nicht mehr zur Wintersonnenwende gefeiert werden.
Das ist richtig, denn durch die Reformierung des gregorianischen Kalenders wurde das Fest auf den 24-26 Dezember verschoben. Zu der Zeit war das Jul-Fest längst aus dem kollektiven Gedächtnis der Menschen getilgt worden. So gesehen hatten die Kirchenväter ganze Arbeit geleistet und der Gedanke dahinter ging voll auf. Hier im ländlichen ist dieser Glaube oder Brauch, je nachdem wie man es meint, erhalten geblieben. Wir haben es uns zueigen gemacht und feiern deshalb jedes Jahr dieses Fest. Es hat sich so eingebürgert und die Leute aus der Nachbarschaft, die es zuvor eher im familiären Kreis gefeiert haben, nehmen es zum Anlass, sich zu treffen und zusammenzukommen. Ist also noch keine lange Tradition, aber so wie ich es sehe, wird es wohl eine werden. Warum auch nicht. Es macht einfach Spaß und um ehrlich zu sein, es ist auch ein wenig spiritistisch. Vielleicht hast du ja selber etwas dabei gespürt!"
Angela dachte darüber nach und ihr kam die Stimmung wieder in den Sinn, die sie um den Baum überfallen hatte. Sie hatte wirklich einen Moment geglaubt, mit der Erde unter sich verbunden zu sein. Von daher eine schöne Erfahrung, obwohl Angela mit Glauben und Ähnlichem nichts am Hut hatte. Sie gehörte keiner Glaubensgemeinschaft an und hatte auch nicht vor, einer beizutreten.
„Und was hat die alte Frau nun gesagt?", fragte Angela ...