Das Bangkok Syndikat
Datum: 26.12.2018,
Kategorien:
Nicht festgelegt,
Autor: bySena78
... Kerl, anscheinend ging es um den Preis ihrer Dienste. Sie schienen sich nicht einig zu werden, nach weiteren Minuten lautem Streites wurde es dem Mann zu viel und er zog laut schimpfend von dannen. Kurz traf sich Christians Blick mit jenem der Unbekannten. Sie war auffallend stark geschminkt, trug eine rechteckige Brille mit randlosen, blau gefärbten Gläsern in ihrem schmalen, hübschen Gesicht und hatte lange, schwarze Haare, die offen über ihre Schultern herunter hingen. Ein flüchtiger Blick auf das schwarze Lederkleid mit dem tiefen Ausschnitt verriet ihm, dass sie knackige, gefällig geformte Brüste haben musste. Kurz kam ihm Tom in den Sinn. Er hatte ihm erzählt, dass in Thailand eine weit verbreitete Schönheitsindustrie blühte und viele Frauen sich bereitwillig unters Messer legten, um sich optisch aufzuwerten. Der Gedanke half ihm dabei, sich von ihrem Anblick zu lösen.
Ein Schluck aus der Flasche und ein Blick zur anderen Seite, wo Tom und Alain ihre Begleitung bereits auserwählt und für würdig befunden hatten, warfen ihn zurück in seine Melancholie. Scheiße! All das Geld, das er für diese eine Reise gespart hatte ... sollte es vergeudet gewesen sein?"
„Wie du heißen?"
Der junge Mann schreckte zusammen. Die Frau in dem schwarzen Lederkleid hatte ihn doch tatsächlich angesprochen.
„Christian."
Sie versuchte, den Namen auszusprechen.
„Chrischian?"
Er musste lachen.
„Fast."
Sie warf einen Blick an ihm vorbei auf seine Freunde.
„Sie ...
... ..."
Anscheinend stieß sie schon an ihre Grenzen, soweit es die deutsche Sprache betraf.
„Ich kann auch englisch, wenn dir das hilft."
Sie sah zu ihm auf, nickte und fuhr in der angebotenen Sprache fort.
„Danke. Ja, das ist wahrscheinlich besser. Tut mir leid. German übe ich noch."
Noch einmal sah sie an dem untersetzten Jungen vorbei, beobachtete Alain und Tom, die bereits auf Körperfühlung mit ihren Auserwählten gingen.
„Du willst kein Mädchen? Hast du eine Frau oder Freundin?"
Christian staunte. Sein eigenes Englisch war gut, ihres aber fehlerfrei und ohne hörbaren Akzent. Vielleicht hatte sie ja eine Begabung für Sprachen.
„Ich habe noch nicht die Richtige gefunden."
Sie lächelte.
„Du hast mich gar nicht nach meinem Namen gefragt."
Ihre braunen Augen schienen ihn auszulachen. Er wurde verlegen, sah sie dann aber an und fragte höflich.
„Darf ich deinen Namen erfahren?"
Sie lachte und nickte ihm zu.
„Ich heiße Nori. Freut mich, dich kennenzulernen, Christan."
Er hielte es für besser, sie nicht auf ihren Fehler aufmerksam zu machen, lächelte verlegen und nahm in einer sichtlich unsicheren Bewegung einen Schluck aus seinem Glas. Sie setzte sich zu ihm, drängte sich aber nicht auf. Christian aber war ein einziges Fragezeichen und konnte sich nicht erklären, warum diese Frau sich ausgerechnet zu ihm gesetzt hatte.
Hilfesuchend sah er zu seinen beiden Freunden hinüber, die ihn amüsiert beobachteten. Tom hob anerkennend seinen Daumen, was ...