Vom Leid des Erwachsenwerdens
Datum: 02.08.2020,
Kategorien:
Romane und Kurzromane,
Autor: bySashinka
... Allen.
"Napoleon!": Mutter zu Vater.
Mann machte in Familie. Spannend!
Ich würgte mein gerührtes Ei auf einer Semmel (O-Ton Süd) mit einer Tagesproduktion von 'Tiefes D' herunter und versuchte einfach nur da, und unbeteiligt, zu sein und zu bleiben.
"Bing-Bong-Bong" machte die Türglocke. Toll, nech? War damals modern! Ich dachte: "Wer kommt denn da angeradelt?"
Türen sind wie Wundertüten. Man weiß nie was kommt, bevor man sie nicht aufgemacht hat. Und hier kam unser Wirbelwind. Naturkatastrophe im Westenflaschenformat, Detektiv der Privilegierten, eines der geilsten Geräte zwischen Wurstcity und Sevastopol. Ich konnte ihre Stimme nun schon von weitem erkennen: Die Rote!
"Ach, Josephine, es ist ja sooo schön bei euch! Ich habe es dir Gestern gesagt, ich habe es Vorgestern gesagt und sage es heute!"
"Ach was? Sie ist in letzten Tagen schon zum dritten Mal hier? Nachtijall, ick hör dir trappsen!" Schon schwebte sie ein.
"Und Alexander ist ja auch da! Ein seltener Gast, in der letzten Zeit, was? Immer bei Hélène?" strahlte sie meine Mutter an.
"Der Junge hat doch Ferien! Er kann doch gehen wohin er will!" meine Mutter fiel immer wieder auf solch' einen Dreck 'rein.
"Alexander sollte vielleicht mehr mit gleichaltrigen zusammen sein?"
"Verdammte Schlange! Die wird doch wohl hoffentlich keine Scheiße erzählen ....?" dachte ich.
"Er schwimmt doch so gerne und Hélène sagte, es mache ihr nichts aus!" rechtfertigte meine Mutter, sich unnötig ...
... erklärend.
"Ich bin rein zufällig auf dem Weg nach Hause hier vorbei gekommen. Mein Neffe, der Brillo, den kennst du doch, oder nicht? Ja, also der Brillo ist für das Wochenende bei mir zu Besuch und langweilt sich etwas. Da dachte ich mir, schau' doch mal rein, vielleicht ist Alexander da, der Interesse daran hat, einen anderen, gleichaltrigen, wohlerzogenen Jungen kennen zu lernen?"
"Was für eine Geschichte!" dachte ich. Der Fall lag für mich sonnenklar. Nix ausleihen - gleich mitnehmen! Und diesen Brillo gab's gar nicht! Wetten? Sie wußte, daß der alte Hoffnung heute zurückkam, von seiner Marotte keine Besucher bei seiner Rückkehr haben zu wollen und der Rest war einfach.
"Magst du mitgehen, Alexander?" fragte Mütterchen zuckersüß.
Ich wäre nicht der gewesen, der ich nunmal war, wenn ich nicht:
"Warum nicht?!" gesagt hätte.
"Wann soll ich ihn denn zurückbringen? Er kann auch mit uns zu Abend essen. Oder bei uns übernachten....! Brillo würde sich bestimmt freuen. Er darf das doch bestimmt? Es kann ja nichts geschehen. Ich bin ja immer dabei!"
"Was meinst du denn, Oliver?" fragte meine Mutter.
"Der Junge ist doch alt genug!" Für ein Mal hatte ich mit meinem Vater vollendete Übereinstimmung.
"Dann bringe ich ihn morgen Abend, so gegen zehn Uhr, zurück. Ja?"
"In Ordnung! Dann viel Spaß, Söhnchen!" Er ging mir fürchterlich auf die Nerven mit seinem 'Söhnchen'.
"Ich packe dir noch ein paar frische Sachen ein" meinte meine Mutter und entfernte sich. Jetzt ...