Vom Leid des Erwachsenwerdens
Datum: 02.08.2020,
Kategorien:
Romane und Kurzromane,
Autor: bySashinka
... noch glucksend.
"Was hat das Alter denn damit zu tun?"
"Eigentlich nichts!"
"Na, sehen sie!"
"Die denkt ich bin doof. Kinder sind alle doof, oder was?" kam's mir durch den Kopf und sagte laut, um ihr dafür eins auszuwischen: "Was ist denn nun mit Brillo?"
"Den gibt's wirklich!"
"Er ist aber im Moment im Krankenhaus, oder?"
"Wie kommst du denn darauf?"
"Ich bin nicht so doof wie sie denken!"
"Ich weiß, daß du nicht dumm bist!
"Warum behandeln sie mich dann so?" bohrte ich.
"Lassen wir doch das dumme 'Sie' sein. Das wäre klug" lenkte sie ab.
"Ein Wortspiel der Sonderklasse. Dafür hast du bestimmt wochenlang geübt." dachte ich hämisch. "mein Vorname ist Karola!"
"Guten Morgen, Karola!" sagte ich.
Wir hielten an einer Ampel und ein Passant schaute Karola auf den Rock, woraufhin sie ihn sofort richtete:
"Mein Gott, wo die auch überall ihre Stielaugen haben!" sagte sie peinlich berührt, mit ihrem Hintern den Sitz bohnernd.
"Karola. Was ist mit Brillo?" setzte ich nach.
"Nun gut. Er ist nicht bei mir." gestand sie "Aber es gibt ihn!" fügte sie eilfertig hinzu.
"Was passiert, wenn meine Eltern das herausfinden?"
"Wie denn?"
"Weiß nicht."
"Mach' dir mal da keine Sorgen...." Ich machte mir auch keine Sorgen. ICH wußte ja, daß ich zwölf war.
"Was hast du denn vor, bis morgen abend?" kratzte ich.
"Ja, nun - so dies und das."
"Gehen wir auch eisessen, wie ich es mit Hélène tue?"
"Was machst du denn sonst noch so ...
... mit Hélène?"
"REIN-GE-FAL-LEN!" freute ich mich innerlich und königlich.
"Wir machen - so dies und das...." kopierte ich sie.
"Was machst du da mit mir?" lachte sie.
"ICH? - NICHTS!" gab ich entrüstet zum Besten.
"Du bist ein ganz schön cleveres Bürschlein. Vor dir muß man sich wohl in Acht nehmen, oder?"
Ich ließ dieses Kompliment einfach so stehen und bestätigte den Erhalt mit einem breiten Grinsen in ihre Richtung. Sie schaute von der Straße zu mir herüber und grinste auch. Jetzt gefiel sie mir auf ein Mal wieder.
"Wir sind jetzt da." sagte sie und wir bogen in einen Torweg ein. "Hier sind die Garagen für das Apartmenthaus." Sie zeigte auf einen total schicken, hypermodernen Betonbau, der sich, bestimmt acht bis zehn Stockwerke über die Straße erhob.
"Ich wohne im letzten Stock. Man hat einen schönen Blick über die Stadt, von meiner Dachterasse aus."
"Das ist bestimmt sehr schön."
"Seitdem ich geschieden bin wohne ich in der Stadt. Das ist bequemer für mich. Die Wege sind einfach kürzer."
"Das leuchtet ein."
Wir fuhren mit dem Aufzug direkt in ihre Wohnung. Sie benutzte einen Schlüssel um ihn zu ihrer Etage zu dirigieren. Ich war beeindruckt.
Die Räume waren groß und hell. Wandhohe Fenster über fast die gesamte Breite der Außenmauer. Die Einrichtung war eher modern und klar, fast spärlich und unterstrich die Größe der Räume. Geschmacklich sicher hatte sie einige Stilelemente antiker Möbel eingestreut und somit gekonnt den Gesamteindruck ...