Schadensersatz
Datum: 04.09.2020,
Kategorien:
Inzest / Tabu
Autor: byplusquamperfekt
„Silke, wach auf. Es ist schon halb."
Ich öffnete mühsam die Augen. Mein Sohn Andy stand mit vorwurfsvoller Miene vor meinem Bett, den Rucksack schon geschultert. Na, wenigstens er hatte nicht verschlafen. Ich seufzte.
„Hast du dir was zu essen gemacht?"
„Klar. Ich muss los, sonst verpasse ich den Bus. Tschau, Mama."
Kopfschmerzen. Kein Migräneanfall diesmal, aber unangenehm genug. Hoffentlich waren noch Tabletten im Haus. Ich hörte die Haustüre klappen. Mühsam schwang ich mich aus dem Bett und stand leicht taumelig im Zimmer. Durch die Schlitze der Jalousien drang Sonnenlicht, unerträglich hell in diesem Moment. Mechanisch suchte ich mir frische Wäsche zum Anziehen heraus und ging ins Bad. Um acht Uhr musste ich losfahren, also hatte jetzt alles zack-zack zu gehen. Mir war ein wenig übel.
Auch die Dusche revitalisierte mich nicht wirklich. Tage wie diesen kannte ich nur zu genüge. In der Küche roch es nach frischgebrühtem Kaffee. Andy war wirklich ein Schatz. Lustlos kaute ich auf einer Scheibe Toast herum. Seitdem mein Mann tot war, war Andy alles, was ich noch hatte.
An manchen Tagen kam ich gar nicht mehr aus dem Bett. Ohne Andy hätte ich wahrscheinlich irgendeine Dummheit begangen. Ich hatte dunkle Tage tiefschwarzer Depression überstanden, nach diesem völlig unerwarteten und mein Leben zerstörenden Schicksalsschlag. Michael war vor vier Jahren für seine Firma in den Irak gereist, um Vorverhandlungen für ein Wiederaufbauprojekt zu führen. Auf einem ...
... Basar in Bagdad wurde er dann eines von sechzig Opfern eines Selbstmordattentäters.
Andy war damals vierzehn. Vor vier Wochen hatten wir seinen achtzehnten Geburtstag gefeiert. Finanziell ging es uns eigentlich gut, neben der hohen Lebensversicherung, die Michael abgeschlossen hatte, kriegte ich ja auch noch meine Witwenrente. Trotzdem arbeitete ich weiter in der Stadtverwaltung, weniger des Geldes wegen; mehr um aus dem Haus zu kommen und irgendeine normale Lebensstruktur zu besitzen.
Ich nahm gleich zwei Tabletten und zündete mir eine Zigarette an. Verdammt, es war schon nach acht. Für einen kurzen Moment kämpfte ich noch mit mir; dann gab ich auf, holte mir das Telefon und rief bei der Arbeit an. Ich berichtete von einer Erkältung, und dass ich am nächsten Tag zum Arzt gehen würde, sollte es nicht besser werden. Das war nicht einmal gelogen. Zur Bekräftigung nieste ich einige Male. Vielleicht war ich ja wirklich angeschlagen.
Das Haus wirkte riesig und in seiner Leere bedrückend. Ich ging zurück in mein Schlafzimmer, um die guten Sachen wieder auszuziehen. Mein Wäschekorb quoll schon wieder über. Ich seufzte. In letzter Zeit kriegte ich die Hausarbeit kaum auf die Reihe. Andy war sonst eine große Hilfe, aber dabei half er mir selten. Ich wollte auch nicht zu viel auf ihn abwälzen. Es war auch für ihn schon schwer genug. Im nächsten Frühjahr würde er sein Abitur machen.
Sein Zimmer sah allerdings auch verheerend aus. Überall lagen Sachen auf dem Boden verstreut, ...