1. Blutrache Teil 03


    Datum: 13.01.2021, Kategorien: Sci-Fi & Phantasie Autor: byKojote

    Im dritten Teil dieser Fantasy-Geschichte wird man nicht umhin kommen, über Inzest zu stolpern.
    
    Ja. Das musste sein.
    
    Nein. Das ging nicht ohne.
    
    Doch. Ich kann das machen.
    
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    II.
    
    Beinahe lautlos schob sich das Langschiff durch die Nacht. Nur das Knarren der Taue, die das große, viereckige Segel hielten, war zu hören.
    
    Die meisten der Kartaren ruhten auf ihren Bänken und schliefen. Lediglich einige wenige hielten Wache oder unterhielten sich im Flüsterton, um die anderen nicht zu stören.
    
    Nur eine einzige Person schien ruhelos und wanderte über das Deck. Ihre helle Haut mit den dunklen Zeichnungen darauf schimmerte im Mondlicht und sogar ihr schwarzes Haar glänzte schwach.
    
    Lautlos trat Skjala auf nackten Sohlen an die einsame Gestalt am Bug des Schiffes heran. Doch die scharfen Sinne ihres Bruders ließen sich nicht täuschen. Ohne auch nur eine Regung zu zeigen, begrüßte er sie.
    
    „Kannst du nicht schlafen, Schwester?"
    
    „So wenig wie du", erwiderte sie. „Oder er..."
    
    Vigulf musste ihrer Geste nicht folgen, um zu wissen, dass sie Bjorn meinte.
    
    Seit zwei Tagen stand der Hüne nun am Ruder und folgte der einzigen Fährte, die sie hatten: Dem Weg nach Süden, zur Küste des Kontinents.
    
    Noch nie zuvor hatte der Krieger seinen Anführer, Kampfgefährten und Freund in einem solchen Zustand gesehen. In Bjorn brannte ein Feuer, aber es war nicht hell und rasend, sondern dunkel und kalt wie das Nordlicht.
    
    „In seiner stillen, beherrschten Wut gleicht er nun mehr dir als mir", bemerkte Vigulf nachdenklich.
    
    „Und ich fühle mich, als würde meine Wut jeden Augenblick aus mir herausbrechen, so wie es ihm sonst immer ergangen sein muss", gab sie zurück. „Ich bin nicht glücklich über diesen Tausch."
    
    „Niemand von uns ist glücklich..."
    
    „Das weiß ich, du dämlicher Köter", schnappte sie aufgebracht.
    
    Jedem anderen Wesen - Kartare oder nicht - hätte der Krieger für diese Beleidigung die Kehle herausgerissen. Doch nicht seiner Schwester.
    
    Er verstand sie nicht nur, sondern fühlte auch ihre Hilflosigkeit, als wäre es seine eigene. So war es schon seit ihrer Geburt gewesen.
    
    Niemand sonst verstand, was in ihrer Brust vor sich ging. Nicht einmal Bjorn konnte das, denn abgesehen davon, dass sein Fluch der des Bären war, fand er einen gewissen Frieden darin, einfach ein Kartare zu sein. Doch Skjala und er hatten ihre Kindheit über erfahren müssen, wie andere Völker zu Wolfsmenschen standen.
    
    Ihre Mutter entstammte dem Reitervolk von La'Han und sie hatte kein Hehl daraus gemacht, dass ein Werwolf dort um keinen Deut besser war, als ein Dämon. Ihr die Kehle herauszureißen, war ein Akt der Gnade gewesen.
    
    „Welcher Schatten legt sich gerade über dein Herz?", fragte Skjala und verschränkte fröstelnd die Arme. Es war keine körperliche Kälte, die sie erschauern ließ. Dagegen hätte sie sich ein Fell umwerfen können, wäre sie nicht aufgrund ihrer Natur ohnehin wenig anfällig dafür gewesen.
    
    Sie waren miteinander verbunden und ...
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