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Nackt im Kino
Datum: 16.02.2021, Kategorien: Medien, Autor: Anonym
Der rote Samtvorhang verdeckte noch die Leinwand. Der Film würde erst in ein paar Minuten beginnen. Ich zog ein wenig von der Cola durch den Strohhalm und beobachte die Leute. Einige Reihen vor mir saßen um die zwanzig Personen, zu zweit oder wie ich alleine. Mehr würden es bestimmt auch nicht werden. Dieses Programmkino zeigte Filme, die nicht jeden interessierten. Ich hatte mich in die hinterste Ecke gesetzt. Dort saß ich meistens, war irgend-wie mein Stammplatz geworden seit ich mir hier Filme anschaute. Ich zog nochmals einen Schluck, es würde noch etwas dauern bis die Vorschau auf neue Filme und Werbung anfangen würde. Das machte mir nichts aus, ich war gerne etwas zeitiger auf meinem Platz, dann konnte ich die hereinkommen-den Leute beobachten. Dies würde jetzt wahrscheinlich nicht mehr der Fall sein, denn es kam bestimmt niemand mehr. Kaum hatte ich dies gedacht, als am unteren Eingang eine Frau erschien. Sie hatte einen großen Lockenkopf aus dunkelbraunen Haaren. Trug einen langen dunkelgrauen Strickmantel, wo am Kragen ein weißer Rollkragenpullover und als Beinkleid eine verwaschene Jeans hervorschauten. Sie schaute sich um als suche sie jemanden und ihr Blick blieb in meiner Richtung hängen. Zielstrebig begann sie die Treppe nach oben zu steigen. Ich sah sie an und überlegte ob ich sie kennen sollte, aber sie blieb mir unbe-kannt. Mit ihrer Lockenmähne wäre sie bestimmt irgendwie in Erinnerung geblieben. Vielleicht wollte sie sich auch in einer der ...
... drei Reihen vor mir setzen, die noch komplett frei waren. Nein, die überging sie und bog in die letzte Reihe ein, in der ich saß und stand nun vor dem freien Sitz neben mir. Ist der noch frei, fragte sie in einer herrlich süßen Stimme, wirkte aber ir-gendwie aufgeregt dabei. Der ist noch frei, sie können sich sogar mit den anderen neben dran noch quer-legen, wenn die Armlehnen nicht wären. Ich war etwas verärgert, dass sie sich so press neben mich setzte, obwohl noch eine Menge freier Plätze frei war. Andererseits war ich auch etwas verdutzt, das sie sich genau hierhin platzieren wollte. Vielleicht war dies auch ihr Stamm-platz. Was meinen kleinen Ärger wieder verrauchen ließ war die Tatsache, dass sie gar nicht schlecht aussah. Sie hatte diesen braunen ungebändigten Lockenkopf. Braune Augen und ein sinnlicher Mund lächelten mich an, als sie sich setzte. Sie musste Mitte Dreißig sein. Den Mantel behielt sie an, aber beim setzen fiel mein Blick auf die Ausbeulung, die ihre große Oberweite verursachte. Vielleicht hatte ich mich aber auch getäuscht und durch den Pulli und den Mantel hatte es nur so gewirkt. Wir saßen nun stumm nebeneinander und blickten auf den noch geschlossenen Samtvorhang. Wissen sie, dass mich der Film eigentlich gar nicht interessiert. Sie begann das Gespräch ohne mich anzuschauen. Ich drehte den Kopf und sah sie an. Und warum sind sie dann hier? Auf die Antwort war ich gespannt. Sie drehte nun auch den Kopf und blickte in meine ...