-
Am Pranger - Marthas Schicksal
Datum: 02.04.2021, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byKrystanX
... die Jungfräulichkeit einer Magd bedeutungslos, da diese armen Frauen sowieso niemals ein normales Eheleben führen würden. In diesem Moment gewann jedoch alles, was sie in einem schlechten Licht scheinen ließ, an Bedeutung. Immer wieder versuchte Martha ihre Unschuld zu beteuern, doch nach dem ihre Lippen von den Schlägen der Handlanger und des Vogts aufgeplatzt waren, schwieg sie um, weiteren brutalen Schlägen zu entgegen. Die dunklen, fast schwarzen Gewitterwolken am Himmel, schienen ein Omen zu sein. Kaum eine Stunde nachdem sie in der Kirche um die Vergebung ihrer Sünden gebeten hatte, fiel über das Mädchen ein gnadenloses Urteil. „Martha, die Magd des Freibauern Friedrich, gegen dich werden schwere Vorwürfe erhoben. Wir befinden dich des Diebstahls und der Hurerei für schuldig. Für diese Verbrechen gibt es normal nur eine Strafe, den Tod!", verkündete der Vogt. Ein Raunen ging durch die Menge. „Aber aufgrund der Führsprache von Pater Alfred, wirst du nur zu 40 Stockhieben am Pranger verurteilt. Nach dem Vollzug der Strafe wirst du einen Tag lang durch Abschreckung und Läuterung am Pranger bleiben, bevor du aus der Dorfgemeinschaft verbannt wirst." Schluchzend und mit Tränen in den Augen nahm die Magd das Urteil hin. Der Tod wäre nicht schlimmer, vielleicht sogar gnädiger gewesen. Das wusste wohl auch Pater Alfred. Sie hatte ein unheiliges Lächeln auf seinen Lippen gesehen, als dieser Heinrich den Vorschlag machte. Kräftige Hände packte sie und schafften sie fort. ...
... Ihr Leben lag nicht mehr in ihrer Hand. *** Das rotblonde Mädchen stand nach vorne gebeugt und mit gespreizten Beinen am Pranger. Kopf und Arme waren zwischen zwei Eichenbretter geklemmt, in denen sich Aussparungen für Hals und Handgelenke befanden. Auch ihre Füße waren mit einem Brett fixiert, so dass sie sich weder hinknien noch ihre Beine in eine bequeme Stellung bringen konnte. Ihr Kleid war bis zum Rücken hoch gezogen und so offenbarte sich ihr ungeschützter Po, ihre nackten Schenkel und der rötlich, blonde Flaum an ihrer Scham, den Blicken der Schaulustigen. Man hatte sich Zeit gelassen. Jeder aus dem Dorf und der Burg sollte die Gelegenheit haben, an Marthas demütigender Bestrafung teilzuhaben. Bierfässer wurden herangeschafft und es bildete sich eine rechte Volksfeststimmung. Niemand störte sich an den dunklen Wolken, noch kümmerte man sich um die schwüle Hitze. Drückend war die Stimmung, doch auch aufgeheizt von einer unheimlichen Erregung. Kinder spielten, Männer tranken und Frauen ereiferten sich über die Schamlosigkeit der Verurteilten. Schließlich war es soweit. Einem rötlichem Feuerball Gottes gleich, schob sich Sonne zwischen den Wolken hervor und tauchte den Dorfplatz in ein abendliches Orange. Aus der Ferne war leichtes Donnergrollen zu hören, doch war dies die geringste von Marthas Sorgen. Es fühlte sich an, als wenn sie schon seit Stunden in dieser qualvollen Stellung warten musste. Ihre Glieder schmerzten und mehrmals wurde sie von Kindern und ...