1. Am Pranger - Marthas Schicksal


    Datum: 02.04.2021, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byKrystanX

    ... Verbrechen bestand in der Lust des Fleisches. Sie hatte sich einem verheirateten Mann hingegeben.
    
    „Das ist ein schweres Vergehen, mein Kind", bestätigte er ihre Sünde. „Wer war es, mit dem du Ehebruch begangen hast? Du hast gegen die 10 Gebote Gottes verstoßen. Das Höllenfeuer wartet auf Menschen, die so etwas tun!"
    
    „Mit Bauer Friedrich, meinem Herrn. Aber ich wollte es nicht. Das muss Gott doch berücksichtigen!", erklärte sie erschrocken. Die Hölle war ein schlimmer Ort, ein Ort noch schlimmer als ihre gegenwertige Existenz.
    
    „Ist dem so?" Alfred bewegte sich leicht in seinem Beichtstuhl. „Vielleicht hilft es, wenn du mir, wenn du Gott alles berichtest, was vorgefallen ist. So kann er über deine wahrhafte Reue entscheiden."
    
    „Aber ...", stammelte sie. Ihr blasses Gesicht lief plötzlich rot an.
    
    „Versuche nicht mit Gott zu feilschen, Kind. Sprich und lasse kein Detail aus."
    
    Zögerlich folgte Martha seiner Aufforderung und begann zu erzählen: „Es war gestern Abend nach dem Nachtmahl. Die Bäuerin Agnes war bereits in Bett gegangen und ich schruppte die Töpfe und Pfannen, als der Bauer zu mir kam."
    
    „Und?", fragte der Priester.
    
    „Er näherte sich mir und berührte mich."
    
    „Wie? Erzähle genau, was passiert ist und vergiss nicht, du stehst vor dem Gericht Gottes."
    
    Martha seufzte leicht und begann dann noch einmal ausführlicher zu berichten. „Er blieb einige Zeit im Türbogen stehen und sah mir wie so oft bei der Arbeit zu. Der Bauer ist groß und kräftig. Sein ...
    ... kahles Haupt hatte nur noch wenige, zu fettigen Strähnen verklebte Haare. Es war heiß und der Schweiß tropfte mir aus jeder Pore meines Körpers. Seine Blicke klebten an mir genau so, wie mein Kleid an meiner schweißnassen Haut pickte."
    
    „Und du? Was hast du getan, mein Kind, welche sündigen Gedanken kam dir bei seinem Anblick? Sprich!", raunte der Priester.
    
    „Keine, wirklich. Ich zitterte nur ein wenig. Ich kannte diesen Blick und hatte ihn schon des Öfteren gesehen. Er wollte eine Sünde begehn."
    
    „Du meinst, du hast ihn in Versuchung geführt?"
    
    „Nein, ich wollte ja nicht. Er kam plötzlich zu mir und packte mich an den Hüften. Ich hab mich gewehrt, hab ihm gesagt, dass er mich in Ruhe lassen sollte." Ihre Stimme klang verzweifelt. Der Vorwurf des Priesters haftete hart an dem jungen Mädchen. Sie fühlte sich unschuldig und zugleich doch schuldig.
    
    „Trotzdem hast du den Mann verführt, so wie die Schlange im Paradies, du bist eine Sünderin." Die Worte des Priesters ließen ihr die Tränen in die Augen fahren.
    
    „Nein!", widersprach sie fast trotzig.
    
    „Kind, vergiss nicht, du bist hier zur Heiligen Beichte. Du musst dich offen zu deiner Sünde bekennen, damit dir Vergebung zuteilwerden kann", mahnte der Priester. „Also was hat er danach getan, berichte und dir wird vergeben."
    
    „Er, er drückte mich fest an sich. Ich roch seinen Atem. Er stank widerlich nach Bier." Die junge Frau hatte Tränen in den Augen, als sie sich die Erinnerungen an die letzte Nacht noch einmal vor ...
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