1. Am Pranger - Marthas Schicksal


    Datum: 02.04.2021, Kategorien: Nicht festgelegt, Autor: byKrystanX

    Dumpfe Schritte hallten durch das steinerne Gemäuer und verloren sich dann in dem von sakraler Dunkelheit geformten, weitläufigen Raum der Kirche. Dunkle Wolken hatten den Himmel verhangen und so erreichte kein Sonnenstrahl durch die kleinen Fenster des Gotteshauses. Nur wenige Kerzen schenkten drinnen ihr diffuses Licht, in dem sich eine junge Frau zum Beichtstuhl bewegte.
    
    Es war Sonntagnachmittag und selbst eine Magd hatte an diesem Tag des Herrn ein karges Stück Freizeit. Das Mädchen trug ein einfaches Kleid, kaum mehr als ein Stück zusammengebundenes Leinen. Ihr leicht gewelltes rotblondes Haar fiel ihr wild über die Schulter und umhüllte ein hübsches Gesicht. Sie wirkte jung und unverbraucht. Hätte der Makel der Armut nicht ihr Schicksal bestimmt, währe sie vielleicht zu einer Schönheit heran gewachsen, doch so war sie eine einfache Magd im Dienste eines Freibauern.
    
    Das Mädchen näherte sich dem Beichtstuhl und ließ sich auf ihren Knien nieder. Sie faltete ihre Hände, wie es sich für eine gute Christin gehörte und begann: „Vergebt mir Vater, denn ich habe gesündigt. Seit meiner letzten Beichte sind 12 Tage vergangen."
    
    Einen unendlichen Moment lang herrschte Ruhe, so dass sich die junge Frau fragen musste, ob der Priester tatsächlich anwesend war. Doch dann hört sie ein Räuspern und eine hohe Stimme sprach: „Gott im Himmel, der unser Herz erleuchtet, schenke dir wahre Erkenntnis deiner Sünden und Seiner Barmherzigkeit."
    
    „Amen", flüsterte die Gläubige. Denn ...
    ... trotz, oder gerade wegen ihrer Armut, war Martha wie die meisten Menschen ihrer Zeit eine fromme Christin. Das Heilsversprechen von einer besseren Welt nach dem Tot war das einzige was ihr blieb. Und dafür ging sie regelmäßig in die Kirche.
    
    „So sprich mein Kind, welche Sünde brennt dir auf der Seele." Der Priester von Greifenstein war eigentlich ein gestandener und recht beleibter Mann. Er lebte schon seit vielen Jahren in dem kleinen Dorf am Fuße der Schutzburg. Mit den Jahren ist sein Wanst immer dicker und seine Stimme immer höher geworden, so dass der Priester oft Ziel heimlichen Spots wurde.
    
    Das Mädchen interessierte dies in diesem Moment nicht. Sie hatte etwas Traumatisches erlebt und der Priester war für sie nun die einzige Anlaufstelle. Niemand interessierte sich für die Leiden einer Magd, in der Gesellschaft des 11. Jahrhunderts zählte sie noch weniger als ein Schwein oder eine Kuh. Sie war ein Werkzeug und hatte zu funktionieren.
    
    Der Priester bemerkte ihr Zögern und fragte abermals mit seiner leicht erhöhten Stimme nach: „Sprich, Martha, welche Sünde lastet auf deiner Seele." Er sprach sie direkt an, den er kannte Martha seit ihrer Geburt vor 18 Jahren. Er hatte die Totenmesse für ihre Mutter gelesen und er hatte auch dieses uneheliche Kind in den Schoß der heiligen Mutter Kirche aufgenommen.
    
    „Ich habe gesündigt. Es geht um ...", sie zögerte erneut. Ihre Stimme zitterte und sie musste mehrmals ansetzen, um Pater Alfred weiter von ihrer Sünde zu erzählen. Ihr ...
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