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London Calling 07
Datum: 18.04.2021, Kategorien: Erotische Verbindungen, Autor: byplusquamperfekt
... in der Übergangszeit wird alles an euch hängenbleiben. Wenn das vorbei ist, wird Doris in den Beraterservice wechseln, und Tom kommt in die Entwicklungsabteilung. Eure Gehälter bleiben gleich. Ist das okay für euch?" Doris beeilte sich zuzustimmen. Ich war zu geschockt und gleichzeitig zu erleichtert, um irgendeinen Haken in ihren Plänen zu entdecken. Der erste wurde aber schon sichtbar, als wir zum Rauchen auf den Parkplatz gingen, wo alle noch rumstanden, die entlassen worden waren. Insgesamt würden es 76 Leute in London werden. Und das Büro in Paris wurde auch aufgelöst, zusätzliche 30. „Da seid ihr ja. Die haben euch ja ganz schön zappeln lassen. Alles okay", begrüßte Michelle uns. Ich wagte nicht einmal sie anzusehen. Doris gab ihr die Neuigkeiten, die Michelle vermutlich fast so sehr treffen würde, wie ihre eigene Entlassung. „Wir können bleiben. Nicht mehr als Liaison, die Abteilung wird aufgelöst. Ich geh in den Beraterservice und Tom macht in der Entwicklungsabteilung mit." „Ich soll noch die Leute im Beraterservice vorher anlernen. Das kann doch gar nicht gut gehen. Ich glaube, die haben keine Ahnung, wie viel wir wirklich zu tun hatten." Michelles Blick werde ich nie vergessen. Auch ohne einen empathischen Schub fühlte ich die einzige Frage, die sie in diesem Moment wirklich interessierte: Wieso du und nicht ich? Die Frage stellte ich mir auch. Gut, Andrea hielt große Stücke von mir, dass hatte sie ja nun bei der Sache mit dem Qualitätsmanager ...
... deutlich genug zum Ausdruck gebracht. Aber Michelle hatte mindestens genauso hart und aufopfernd für die Firma gearbeitet wie ich. Selbstverständlich versprachen wir uns alle, in Kontakt zu bleiben. Selbstverständlich setzten wir dies nie um. Am Nachmittag hatten wir dann einen Bombenalarm. Es war klar, dass einer der Entlassenen diesen dummen Streich spielte, um sich zu rächen, aber es gab klare Abläufe für diese Geschichten. Jeder anonyme Anruf dieser Art musste ernst genommen werden. In dieser Zeit war die IRA noch in London aktiv und bombte blutige Erinnerungen an den auch weiterhin schwelenden Konflikt in unser Bewusstsein. Der harte Kern der Entlassenen hing immer noch im Pub gegenüber unserem Firmengebäude ab und johlte Obszönitäten gegen Andrea, die einsam und mit steinerner Miene wie wir alle darauf warten musste, bis die herbeigerufene Polizei mit den Bombenexperten die Absperrung aufhob und wir zurück ins Büro konnten. Ich nickte ihr kurz dankbar zu. Sie lächelte zufrieden und unterhielt sich dann in ihrem auch nach vielen Jahren in England noch immer mit stark deutschem Akzent versehenen, etwas unbeholfenen Englisch, mit dem Einsatzleiter der Polizei. *** Am Anfang hatte ich richtig gut zu tun, mit der Einarbeitung der Leute vom Beraterservice, die unsere Tätigkeiten auch mit übernehmen sollten, unter anderem Andy, der auch äußerte, was wir alle fühlten. „Die sind doch echt bescheuert, woher sollen wir denn die Zeit nehmen, das alles abzuwickeln? Und ...