1. HomoLepus 07


    Datum: 23.04.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaran66

    ... etwas Neues und vergaßen darüber die Zeit. Zeit war hier eine undefinierte Größe, schien überhaupt nicht mehr real zu sein, floss dahin wie ein zäher Strom. Nur wenn man genau hinhörte, war sie vorhanden, denn die Digitaluhr an der Wand, machte ab und zu einige tickende Geräusche.
    
    Gelegentlich schaute ich auf. Sah mir Anna an, wie sie auf die Buchstaben starrte, die sich unter ihr befanden. Sie entführten sie in eine andere Welt, zeigen ihr mehr, als sie schon kannte. Dabei sah es ab und zu niedlich aus, wenn sich die Haut um ihre Nase kräuselte. Das geschah immer dann, wenn sie etwas nicht gleich verstand, sozusagen ein körperlicher Ausgleich für die schwere Arbeit, die ihr Gehirn damit hatte. Es musste so viel schwere Kost verarbeiten, stieß aber immer wieder auf eine Nuss, die geknackt werden musste. Ihr Gesicht glättete sich dann sofort wieder, wenn sie der Lösung ihres Problems näher kam.
    
    Manchmal konnte ich ihr dabei minutenlang zusehen, war von dem Anblick so fasziniert, dass ich vollkommen vergaß, warum ich dort saß. Dann hielt ich zwar jenes Buch noch in den Händen, welches ich gerade studierte, nahm es aber gar nicht mehr wahr. Erst Minuten später drängte sich dann der eigentliche Grund in den Vordergrund, zu welchem ich dort saß. Mir wurde auf einmal die Welt wieder bewusst und setzte das fort, was ich begonnen hatte.
    
    So zog sich der Abend dahin. Irgendwann taten mir die Augen weh, denn aus dem halbdunkel des Kopfes auf die Zeilen zu starren war auf die ...
    ... Dauer sehr anstrengend. Also packte ich meine Sachen ein und versuchte dabei Anna nicht zu sehr zu stören. Sie merkte sicher, dass ich mich davon machte, ließ sich aber nicht davon abhalten weiterzumachen.
    
    Ich ging wie fast immer zum Abschluss des Abends noch einmal ins Wohnzimmer, schaltete den Fernseher ein und sah mir irgendeine belanglose Sache an. Entweder kam Anna dann später noch einmal zu mir oder sie ging gleich ins Schlafzimmer.
    
    Eine Stunde später hatte ich die richtige Bettschwere erreicht und ging ins Bett. Ich hatte Anna noch gar nicht gehört, daher wunderte ich mich nicht, als ich sie nicht im Bett liegen sah. Also lege ich mich hin, bettet mich auf meine Seite und war fast eingeschlafen, als die Tür vorsichtig aufgemacht wurde. Anna kam auf Zehenspitzen in den Raum und stand wenig später neben dem Bett. Schnell war sie ausgezogen und schlüpfte unter die Decke. Was sie allerdings trug, konnte ich nicht sehen, der Kopf verhinderte es. Dabei lag ich auf dem Rücken und hatte meine Hände auf meinem Bauch liegen und die Finger ineinandergeschoben.
    
    Anna rückte näher heran, rutschte so weit, dass sich wenig später ihre Wärme spürte. Dann fühlte ich ihre eine Hand an meinem Arm. Sie zog diesen vorsichtig von dem anderen Weg auf ihre Seite. Erst als er fast gerade von mir weg stand, legte sie ihn ab. Kaum lag dieser ausgestreckt auf ihrem Kopfkissen, lag ihr Kopf auf meinem Oberarm, kam sogar noch höher und kuschelte sich in die Armbeuge. Daraufhin nahm sie den ...
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