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HomoLepus 07
Datum: 23.04.2021, Kategorien: Romane und Kurzromane, Autor: byAldebaran66
... nachdem sie dann doch schlafen gegangen waren und es sich am Morgen ansahen hatten, waren sie von der Farbzusammenstellung bei Tageslicht nicht mehr so überzeugt. Aber sie hatten es getan. Ich war da vollkommen anders. Wenn ich etwas nicht bis ins Kleinste geplant und besorgt hatte, dann fing ich erst gar nicht damit an. Ich hasste es, wenn ich noch einmal los musste, um etwas zu besorgen, was noch fehlte. Ob Anna nun mehr zu meiner Gruppe oder der des Pärchens gehörte, wusste ich nicht. Aber sie schien zu der Art des Pärchens zu tendieren. Also der absolute Gegensatz zu mir. Mit diesen Gedanken schlich ich ins Schlafzimmer, wo mich schon ihr ruhiger Atem empfing. Diesmal konnte ich mich gleich auf dem Bett ausstrecken und schlief nur mit Schwierigkeiten ein. In der Stille der Nacht verfolgten mich immer wieder die Gedanken an Sandra. Sie fraßen sich in meinem Kopf fest und ließ mich nicht richtig schlafen. Am nächsten Morgen fühlte ich mich dementsprechend wie gerädert. Hätte ich man mich ohne Kostüm gesehen, hätte ich sicher tief liegende, schwarz umrandete Augen gehabt, die nicht aufbleiben wollten. Trotzdem quälte ich mich aus den Federn und begab mich in die Küche. Hier hatte Anna wie üblich eine Kanne Kaffee für mich hinterlassen. Da es aber später war, als ich gedacht hatte, war sie inzwischen doch eher lau und schmeckte etwas bitter. Da ich kaputt war, schüttete ich den Kaffee in den Abfluss, nahm stattdessen etwas Cappuccinopulver und goss heißes Wasser ...
... darüber. Dieses Gebräu schmeckte auch nicht schlecht, hatte aber eine negative Auswirkung auf mich. Oder besser gesagt hatte es keine Wirkung. Das Koffein fehlte und von daher machte es mich nicht munter. Im Gegenteil. Das heiße Getränk schmeckte fast gemütlich und ich beschloss, schon ein paar Minuten später, mich noch einmal hinzulegen. Ich hatte sowieso nichts vor und von daher war es sicher keine schlechte Idee. Gesagt, getan. Ich schlich mit hängendem Kopf zurück ins Schlafzimmer und legte mich wieder hin. Es war zum verrückt werden. Jetzt hätte ich friedlich einschlummern können, aber es ging nicht mehr. Ich lag mit offenen Augen im Halbdunkel und fand keine Ruhe. Also wieder aufstehen und ins Wohnzimmer. Hier ging ich zur Stereoanlage, suchte mir eine Platte aus, so eine richtige aus Vinyl, die ich schon ewig nicht mehr gehört hatte. Dann legte ich sie auf und wankte zum Sofa. Hier gemütlich eingekuschelt brauchte ich nur wenige Minuten und der Sandmann brachte mir doch noch die ersehnte Ruhe. Anna hatte am Abend frei. Dafür würde sie am Wochenende arbeiten müssen. Also hatten wir viel Zeit zum Lernen. Ich genoss die Zeit immer mehr, während wir in der Küche über unsere Bücher gebeugt saßen und unsere Gehirne mit Material versorgten. Die dabei entstehende Ruhe, die nur durch gelegentliches Rascheln von Papier unterbrochen wurde, rief eine eigenartige Stimmung hervor. Die Welt um uns herum war uns egal, wir waren eins mit unseren Gedanken, lernten immer wieder ...