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Auf der Straße nach Süden
Datum: 20.06.2021, Kategorien: Erotische Verbindungen, Autor: byLysandro
Ich hatte es von Anfang an für einen Fehler gehalten, Quirin an die Adria mitzunehmen. Quirin, die Sportskanone, Quirin, der Angeber. Aber ich wurde überstimmt. „Der Quirin ist nett, der Quirin, mit dem kann man Spaß haben", wurde mir gesagt. Ich habe mich einlullen lassen, das war mein Fehler. Überhaupt die Adria. Die Adria ist kein Geheimnis mehr, kein waghalsiges Abenteuer. Erkundet von Triest bis Venedig. Ausgekundschaftet von Rimini bis Pescara, die Adria bietet kein Geheimnis mehr, die Adria läuft mit -- sozusagen, die Adria ist kartografiert, gebändigt, seltsam tot. Und dann noch Quirin. Der Oberflächliche. Der Außenmensch. „Leute wie Quirin leben, um einen Eindruck zu machen", dachte ich. „Leute wie Quirin sind die Beigabe, sie schmücken so einen Urlaub mit ihrer Erscheinung, aber sie ruinieren ihn letzterdings durch ihre Einschichtigkeit.", sagte ich zu mir. Wir fuhren nach Rimini, wir reisten nach einem Klischee, nach einer festgemauerten, apartmentschwangeren Manifestation großdeutscher Urlaubsträume, nach einer Exklave des Deutschtums, und ich machte gute Miene zum bösen Spiel. Um mich herum kindische Aufgeregtheit, meine Freundin Lili, Sigrid und Martin, das befreundete Pärchen und Quirin, ich ahnte alles und wusste letzten Endes nichts. Schon auf dem Brenner war es mir suspekt geworden, wie nahe sich Lili und Quirin waren, sie kannten sich kaum und fanden doch sofort einen Umgang miteinander, eine fast vertraut wirkende Nähe war sofort zwischen ihnen und ich ...
... war plötzlich außen vor. Sterzing, Brixen und Klausen, es kamen die Weinberge und der Verkehr ging sich mehr und mehr zäh gegen Süden, ich war angeekelt, sukzessive war ich genervter und abgestoßen. Im Autoradio kam wie zum Hohn etwas von John Paul Young, Love is in the Air, wie bestellt von einer mir feindlichen Macht, etwas Pseudo-Romantisches, etwas sozusagen ideal zur Anbahnung, ich versuchte unbeeindruckt zu wirken, während sich die Dinge in eine gewisse Richtung entwickelten. Die Po-Ebene war ereignislos. Irgendwer spielte Element of Crime über den Autoradio ab und es erhob sich dieses Wir-sind-fast-da-Gefühl. Nun noch schnell die Eindrücke mitnehmen, links und rechts der Autostrada. Wir glitten an Bologna vorbei, neuerdings nicht ohne Wanda-Anspielung möglich. „Bologna, die Stadt der 180 Türme, Mutterleib der Tortellini und aller Hackfleisch-Soßen, verkommen zum Drive-In des modernen auf kantig gebürsteten Austro-Pop-Rock", dachte ich und dachte noch Düstereres über die Zukunft. Überhaupt Reisen, auf zu neuen Ufern, sagen die Naiven, hinein in die Ungewissheit, sagen die Realisten, du kommst nicht wieder, sagen die Pessimisten, ich sitze zwischen den Stühlen, schon für zu lange. Das Klima des Durchschnittsautos ist zu heiß, feucht und immer dieser leichte Geruch nach Staub und Benzin, schrecklich. Dann nach Bologna auf dem mehrspurigen Weg zum Meer Stau. Verbeulte Fiats und staubige BMWS vor uns, der Hummer mit Berliner Kennzeichen drohend hinter uns; „Die Deutschen ...