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Auf der Straße nach Süden
Datum: 20.06.2021, Kategorien: Erotische Verbindungen, Autor: byLysandro
... sind schon eine Plage", dachte ich. Lili und Quirin saßen nebeneinander, Sigrid vorne, Martin am Steuer. Wir hatten uns bis auf das nötigste Ausgezogen. Es war nun drückend. Legeres Schweigen, ehrfürchtiges Erstarren in einer im Grunde genommen schon auserzählten Situation. Die Autokolonne hatte sich etwas gelöst, es war flach, vertrocknete Landschaften. Die Autobahnausfahrt bot ein einsames Kassahaus, hinter der verkrusteten Plexi-Glas-Scheibe ein verträumter Italiener. Ignorierte unser passend hergerichtetes Wechselgeld, fragte blöde nach, hielt auf. Ein Narr innerhalb unserer Autogemeinschaft hatte jetzt Claudia Jung aufgelegt, wie ein Höllen-Dj, Amore Amore und Quirin legte wie zufällig seine Hand auf den Oberschenkel meiner Freundin. Ich fragte mich, ob ich eingreifen sollte, aber dann fuhren plötzlich von der Hauptstraße ab und strebten einen hellbraunen Hügel hinauf, durch abgeerntete Sonnenblumenfelder und dürre Olivenbäume in eine Wohnanlage. Pittoresk aber fad analysierte ich unser Domizil. Unten zwischen den Häusern der Swimming-Pool. Eine selten türkise Chlorbrühe. „Alljährlich ersaufen unzählige Urlauber in diesen so harmlos, fast kindisch aussehenden, in die Wiese hinein gestanzten Wasserbecken, was nicht verhindert, dass diese Todesfallen in jeden Prospekt scheinheilig angepreisselt werden", dachte ich. Droben, innerhalb der dünnen Mauern des Ferienbungalows stand die Luft schwer und abgestanden. Wir rissen alle verfügbaren Fenster und Türen auf, ...
... setzten uns auf die Terrasse und tranken das mitgebrachte Bier aus der Kühltruhe. „Gott sei Dank haben wir uns Bier mitgenommen", sagte Martin und ich gab ihm Recht. Hier gab es vor allem Wein, mit Wein kann man sich nicht so ostentativ betrinken, beim Wein begleitet einem immer so ein nicht gewolltes Dandytum, man ist bei weitem nicht so ordinär und rauschorientiert unterwegs wie beim Bier. Unten spiegelte sich blau am Horizont das Meer und Lili, meine Lili, schlug vor nach dem Auspacken gleich hinunter zu fahren, in das Küstenörtchen, in das kleine Stadterl, dort unten im Dunst des fliehenden Nachmittags. Vieles ist Fassade, Potemkinsche Dörfer am Ufer des Touristenstroms, schiefe Prekariatsarchitektur, zu hoch, zu groß, wie ein Golgatha aus gestorbenem Beton kolossierte unser dunkel und abweisend Urlaubsort das Meer entlang. Über dem grauen Boden flimmerte die Luft in der Hitze, der Sand, zwischen Siedlung und Wasser künstlich aufgeschüttet, war glühend heiß und dreckig. Wir legten unsere Badesachen an und ich dachte in einem Anfall von mediterraner Tollheit an Gustav von Aschenbach, dem Tod auf dem Liegestuhl am Strand an der Adria, als ich es schon hörte, Quirin tunkte Lili und er lachte und sie kreischte und er entschuldigte sich kokett und sie kicherte dieses alberne Mädchenkichern, das geradewegs in ihren Schoß führt. Ich wusste doch, wie so etwas funktionierte, es war ganz klar, ganz abgründig ersichtlich. Aber ich war seltsam gehemmt. Ich lag wie betäubt auf meinem ...